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HSC 2000

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Coburg verabschiedet sich mit viel Spielfreude aus der Liga

HSC I: Die erste Runde des DHB-Pokal steht fest Stefan Lex kompensierte mit Nico Büdel zusammen das Fehlen der anderen Rückraumakteure.

Minden mit harter Gangart in der Abwehr. Coburg lässt sich aber nicht beeindrucken, macht einen Vier-Tore-Rückstand wett und feiert Abschlusssieg. Fans verabschieden Team mit „Paulchen-Panther“-Motto.

Der HSC 2000 Coburg geht erhobenen Hauptes aus der DKB-Handball-Bundesliga. Während die Coburger gegen eine sehr robust und energisch zu Werke gehende Deckung des TSV GWD Minden vor der Pause fast ständig einem Rückstand hinterherlaufen mussten, wendeten sie nach der Pause das Blatt. Mit teilweise sehenswerten spielerischen Aktionen und der nötigen Portion Kampf gelang ein verdienter 29:26-Erfolg. Zwar ließen sie einige Big Points liegen, darunter zwei Strafwürfe, aber in der Endabrechnung wirkte sich das diesmal nicht aus. Beeindruckend war der 16:7-Lauf des Absteigers, der mit einer starken Deckung aus einem 11:15-Rückstand eine 27:22-Führung machte. Und das obwohl mit Wetzel, Kirveliavicius und Lilienfelds drei Rückraumwerfer fehlten. Dafür erwischte der nach Erlangen wechselnde Nico Büdel noch einmal einen starken Tag, Stefan Lex kompensierte mit ihm zusammen das Fehlen der anderen Rückraumakteure. Auf der Gegenseite konnte da nur Christoffer Rambo mithalten. Allerdings erlaubten sie die Mindener im Spielverlauf einige Konzentrationsschwächen und genau da war der HSC zur Stelle.

Auf- und Absteiger

Nach Coburg und Balingen muss auch der Bergische HC trotz eines 32:24-Erfolges über Hannover Burgdorf in die zweite Liga – und das mit 22 Pluspunkten nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Gummersbach. Den Tabellenelften (Hannover) trennen von einem Abstiegsplatz lediglich zwei Pünktchen. Aus der zweiten Liga schafften nach der schon lange feststehenden TuS Nettelstedt-Lübbecke am letzten Spieltag die TSG Friesenheim (nach 2010) und der TV Hüttenberg (nach 2011) den erneuten Aufstieg ins Oberhaus. Den Hüttenbergen gelang dabei der direkte Durchmarsch von der dritten in die erste Liga. Die DJK Rimpar Wölfe vergaben ihre Aufstiegschance durch eine 29:31-Niederlage beim VfL Bad Schwartau.

Die Coburger machten einen Vier-Tore-Rückstand wett und feieren einen Abschlusssieg

Großes Polizeiaufgebot

Vor Anpfiff war zumindest auf den Zuschauerrängen und auch sonst in allen Bereichen spürbar, dass die Luft raus ist. Dort wo sonst spätestens 30 Minuten vor dem Anpfiff dichtes Gedränge herrscht, war viel Luft und auch noch ein leichtes Durchkommen. Was auf dem Weg zur Halle auffiel war das große Polizeiaufgebot, das einer Ultra-Fan-Gruppierung der Gäste geschuldet war. Doch alles blieb ruhig.

Perspektivisch

„Perspektivisch“, dieses Wort hat Jan Gorr in letzter Zeit, als der Abstieg besiegelt war, oft in den Mund genommen und dafür auch Zeichen gesetzt. Mit einem Training, dass teilweise schon ausgerichtet war auf die neue Saison. Und angesichts der nochmals langen Verletztenliste mit Wetzel, Kirveliavicius und Lilienfelds hatte er schon in Stuttgart Kenny Schramm und Andreas Wolf Einsatzzeit gegeben, diesmal war Lukas Dude, Jahrgang 1999, mit dabei, da auch Benedikt Kellner, krankheitsbedingt passen musste. Auch wenn er nicht zum Einsatz kam, schnupperte er Erstligaluft.

Temporeicher Auftakt

Drei Tore fielen in den ersten 60 Sekunden und Billek und Coßbau hätten in den Folgeminuten frei auf 4:1 erhöhen können, doch stattdessen stand plötzlich es 2:3. Beide Teams hatten anfangs viel Tempo in ihren Aktionen, nach gerade mal fünf Minuten waren bereits acht Treffer gefallen. Coburg musste aufgrund der fehlenden Rückraumhünen sein Heil auch fast in der Flucht nach vorne suchen. Und das was im Rückraum spielen konnte, wurde von der Mindener Abwehr ab und an übertrieben angegangen und nicht nur dort, so wie Lex nach zwölf Minuten. Der „bedankte“ sich mit dem 7:8-Anschlusstreffer, doch der HSC verpasste mit einem vergebenen Strafwurf wenig später den Ausgleich.

Aus dem Erstligateam wurden neben Akteuren aus der Drittligamannschaft und Funktionären Adnan Harmandic, Steffen Coßbau und Nico Büdel verabschiedet.

Vier-Tore Abstand

Auch deswegen kam die Mannschaft von Gorr nicht an die Gäste heran – im Gegenteil. In einer Auszeit hatte GWD-Trainer Frank Carstens seine Abwehr noch etwas offensiver eingestellt, schränkte damit die Laufarbeit im HSC-Rückraum ein, der sich immer schwerer tat. Konsequenz waren erstmalig vier Tore Abstand, da die Gäste auch Konter nicht mehr zuließen und am Kreis nahezu ungeahndet die HSC-Kreisläufer „bearbeiten“ durften. Dem setzte Billek ein Kempa-Tor auf Zuspiel von Harmandic entgegen. Nach 27 Minuten wurde das andauernde Halten am Kreis endlich mit einer Zeitstrafe bedacht.

Vater Krechel mit bösen Blicken

In der eigenen Abwehr bekam der HSC aber auch nicht so recht Zugriff auf die Mindener. Die rissen immer wieder Lücken in den Deckungsverband (Jan Gorr: „17 Gegentore vor der Pause sind zuviel, wir haben keinen Zugriff bekommen.“)und erwischten Oliver Krechel oft auch auf dem falschen Fuß. Das gefiel dessen Vater, wie gewohnt in der ersten Reihe an der Mittellinie sitzend, gar nicht. Es gab böse Blicke für den Sohnemann.

Empty-Net-Goal

Dem blieb kurz vor der Halbzeitsirene ein sogenanntes „Empty-Net-Goal“, als Minden einen zusätzlichen Feldspieler gebracht hatte, versagt. Wenige Zentimeter strich der Ball über die Latte. Besser hatte es kurz zuvor Coßbau gemacht. Dessen Anschluss- und gleichzeitig Halbzeittreffer fand den Weg ins leere Tor der Gäste. Im zweiten Durchgang gelang dem scheidenden HSC-Linksaußen dieses Kunststück sogar ein zweites Mal.

Zum Abschluss wurde das neue Logo des Vereins vorgestellt.

„Bobo“ Kelm Abwehr-Opfer

Knapp zweieinhalb Minuten dauerte es nach der Pause, bis Coburg endlich wieder ausgleichen konnte. Allerdings mit dem Preis einer Verletzung von Dominic „Bobo“ Kelm der nach einer erneuten Attacke verletzt am Boden liegen blieb. „Er hat sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und auch die Außenbänder sind betroffen“, gab HSC-Coach Jan Gorr in der Pressekonferenz eine erste Diagnose bekannt. Doch die doppelte Überzahl nutzte der HSC zumindest zur Führung. Die kurz darauf folgende Zeitstrafe gegen die Gäste war aus HSC-Sicht nicht so erfolgreich, trotzdem behauptete der die Führung, auch dank Jan Kulhanek, der nun das Coburger Tor hütete. Bewundernswert war die Geduld, mit der Lex, Büdel und Co. ihre Angriffe vortrugen und die mit dem 24:21 belohnt wurde.

Crunch-Time

Mit diesem Vorsprung ging es in die von Jan Gorr immer wieder beschworene „Crunch-Time“. Die wurde mit dem sehenswertesten Treffer der Partie eingeleitet. Von der linken Außenposition passte Steffen Coßbau auf die Mitte an den Kreis wo Florian Billek aufgetaucht war und per Kempa vollendete. Minden agierte jetzt teilweise mit offener Abwehr, gab nicht klein bei und suchte den schnellen Abschluss. Aber diese allerletzte Crunch-Time ging an einen unglaublich engagierten HSC, was die Fans der Mannschaft mit Standing-Ovations lange vor dem Spielschluss dankten.

Abschiede und neues Logo

Nach dem Spiel stand alles im Zeichen des Abschiedes. Aus dem Erstligateam wurden neben Akteuren aus der Drittligamannschaft und Funktionären Adnan Harmandic, Steffen Coßbau und Nico Büdel verabschiedet. In Einspielern auf der Leinwand sagten auch bisherige Weggefährten dem Trio auf Wiedersehen. Den meisten Beifall gab es für den jetzt für den ThSV Eisenach spielenden Matthias Gerlich, der zum Ruhestand von Steffen Coßbau sagte: „Was sind schon 29 Jahre – ich kann den HSC nicht verstehen, dass sie so ein Juwel gehen lassen.“

Zum Abschluss wurde das neue Logo des Vereins vorgestellt und die Fans gaben das „Paulchen-Panther Motto per Banner mit auf den Weg: „Heute ist nicht alle Tage, 1. Liga, wir kommen wieder, keine Frage!

Unter dem Motto „Heute ist nicht alle Tage, 1. Liga, wir kommen wieder, keine Frage!" verabschiedeten die Fans ihre Mannschaft.

STIMMEN

HSC-Trainer Jan Gorr: „Wir haben heute noch einmal alles reingehauen. Das unterstreicht unsere Entwicklung in der Rückrunde. Jetzt kommen wir auf den Felgen mit diesem Erfolg ins Ziel und die Tabelle ist dabei nicht das entscheidende, sondern der Lohn für die couragierte Leistung.“

HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer: „Es tut gut mit einem Erfolg in die Sommerpause zu gehen. Der bestätigt die Fortschritte der letzten Monate.“

HSC-Linksaußen Steffen Coßbau: „In meinen vier Jahren hier haben wir viel erreicht. Zwei Aufstiege, ein Abstieg und das mit der tollen Kulisse hier. Es hat Spaß gemacht.“

TSV-Trainer Frank Carstens: „Das war heute ein Sieg für die leidenschaftlichere Mannschaft. Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit nahmen unsere Konzentrationsschwächen zu.“

TSV-Geschäftsführer Frank von Behren: „Unsere letzten drei Spiele waren enttäuschend, aber zum Glück haben wir den Klassenerhalt frühzeitig geschafft und konnten sicher planen.“

Die Fans des HSC durften einen Abschlusssieg bejubeln.

STATISTIK

HSC 2000 Coburg – TSV GWD Minden 29:26 (16:17)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (10 Gegentore, 4 Paraden), Oliver Krechel (17 Gegentore, 8 Paraden); Philipp Barsties, Markus Hagelin (1), Lukas Wucherpfennig, Lukas Dude, Dominic Kelm, Sebastian Weber (3), Stefan Lex (6), Steffen Coßbau (4), Florian Billek (5/2), Till Riehn (1), Nico Büdel (9/1), Adnan Harmandic. Trainer: Jan Gorr.

TSV GWD Minden: Gerrie Eijlers (20 Gegentore, 5 Paraden), Kim Sonne-Hansen (9 Gegentore, 5 Paraden); Florian Freitag (3), Miladin Kozlina, Christoffer Rambo (7/1), Mats Korte (3), Sören Suedmeier (1), Joakim Larsson (2), Magnus Gullerud (4), Marian Michalczik (2), Aleksandar Svitlica (3/1), Dalibor Doder (1). – Trainer: Frank Carstens.

SR: Martin Thöne / Marijo Zupanovic – Spielaufsicht: Jörg Mahlich

Spielfilm: 2:1 (2.), 2:3 (4.), 4:4 (6.), 4:6 (7.), 6:7 (11.), 8:9 (16.), 10:14 (22.), 14:16 (26.), 16:17 – 17:17 (33.), 19:18 (35.), 20:18 (37.), 21:19 (41.), 22:20 (43.), 22:21 (44.), 25:21 (50.), 27:22 (54.), 27:24 (55.), 29:25 (57.), 29:26.

Zuschauer: 2.234 in der HUK-COBURG arena

Strafminuten: 2 (Wucherpfennig) – 12 (Larsson, Kozlina, Freitag, Rambo 6) – rote Karte gegen Rambo (56:27)

Siebenmeter: 3/5 (Billek scheitert an Sonne-Hansen, Coßbau trifft die Latte)– 2/3 (Svitlica trifft die Latte)

Beste Spieler: Weber, Büdel, Lex – Rambo, Gullerud.

Bericht von Ralph Bilek
Bilder von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)

© HSC 2000 Coburg e.V. 2017