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HSC 2000

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Coburg früh auf der Verliererstraße

HSC I: Keine Punkte gegen Melsungen Trotz der elf Treffer von Kirveliavicius konnten keine Punkte geholt werden.

Der HSC 2000 erholte sich von ganz schwachen fünf Minuten Mitte der ersten Halbzeit trotz vieler Optionen nicht mehr. Melsungen kam zu zu vielen einfachen Toren. Abstieg so gut wie besiegelt.

HSC 2000 Coburg – MT Melsungen 25:28 (13:17)

Nicht zum ersten Mal reichten dem Gegner des HSC 2000 Coburg ganz schwache fünf Coburger Minuten um die Punkte im eigenen Lager zu halten. Diesmal nutzte die MT Melsungen eine Blackout-Phase Mitte der ersten Halbzeit um schon früh die Weichen in Richtung des 28:25-Auswärtssiegs zu stellen. So sehr sich Coburg in der Folge auch mühte, sich immer wieder heran kämpfte – die Fehlerquote war einmal mehr zu hoch. „Wir können in solchen Spielen nur erfolgreich sein, wenn alle Leute an ihre Grenze gehen. Das war heute nicht der Fall, einige waren nicht konzentriert genug“, stellte Coburgs Trainer Jan Gorr unumwunden fest. Insbesondere zum Konterspiel wurden die Melsunger immer wieder eingeladen. Das nutzte Johannes Sellin weidlich aus, neben Romas Kirveliavicius bester Spieler auf dem Feld, beide trafen elf Mal. Doch während Sellin genügend Spieler neben sich hatte, die auch noch trafen, blieb „Kiwi“ im Rückraumspiel des HSC lange der Alleinunterhalter. Erst spät trafen Lilienfelds und Harmandic, Nico Büdel, lange Zeit in der Saison Ideengeber und Goalgetter in einer Person, blieb sogar torlos. Nachdem Lemgo sensationell Kiel schlug und der Bergische HC gegen Erlangen gewann, ist der rechnerisch noch nicht besiegelte Abstieg des HSC nur noch eine Frage der Zeit.

Neben Stefan Lex mussten die Coburger auch noch einmal auf Florian Billek verzichten. „Die Bauchmuskelzerrung ist noch nicht ganz überstanden, das Risiko ihn zu bringen ist einfach zu hoch“, begründete Jan Gorr vor dem Spiel die Maßnahme, im Hinblick auf die verbleibenden Spiele mit dem Rechtsaußen auf Nummer sicher zu gehen. Nachdem die B-Jugend für ihre Bayerische Meisterschaft geehrt wurde und nächstes Jahr erstmals in der A-Jugend-Bundesliga auflaufen wird, startete die Partie gleich mit einer enormen Intensität.

Drei Würfe, zwei Paraden Jan Kulhanek, der HSC-TW knüpfte allerdings nur zu Beginn an seine Leistung im Hinspiel an, seine Vorderleute waren nicht so effektiv. Erst knallte ein Wurf an den Pfosten, dann suchte Adnan Harmandic vergeblich seinen Nebenmann und Johannes Sellin brachte den Konter unter. Bei dessen nächsten Treffer zum 3:4 schimpfte Jan Gorr wie ein Rohrspatz, weil dem ein Stürmerfoul vorangegangen war, erst recht als seinem Team im Folgeangriff ein Vorteil zurückgepfiffen wurde. Aber das brachte das erst so richtig ins Laufen und beim 5:4 zur ersten Führung. Es war eine sehr impulsive Anfangsphase mit hohem Tempo von beiden Teams, mit einem hellwachen HSC in der Abwehr, aber mit „dummen“ leichten Fehlern wie vor dem 7:7-Ausgleich als Kirveliavicius den Ball verlor. Er war mit sechs Treffern in den ersten 13 Minuten, aber der Spieler der ersten Viertelstunde. Insgesamt war die Torausbeute überragend hoch zu diesem Zeitpunkt, 82 Prozent beim HSC, 75 Prozent bei den Gästen.

HSC I: Tom Wetzel im Interview Nach siebenmonatiger Verletzungspause feierte Tom Wetzel sein Comeback.

Nach 15 Minuten musste die in ihrer Gesamtheit aufspringende HSC-Auswechselbank vom dritten Offiziellen beruhigt werden, da ein vermeintlicher Ballgewinn zurückgepfiffen wurde. Im Angriff lief der Ball nun zwei Mal in Folge zu ungenau und Melsungen kam mit einfachen Toren zur Zwei-Tore-Führung. Nach der folgenden HSC- Auszeit kam Oliver Krechel ins Tor, aber gleich wieder ging im Angriff der Ball verloren. In nicht einmal fünf Minuten machte sich der HSC die Aufbauarbeit der ersten Viertelstunde völlig zunichte.

Denn die sowieso schon robuste MT-Abwehr legte noch eine Schippe drauf und beim HSC ging die Wurfquote nach unten und die Fehlerquote nach oben, Melsungen gewann enorm an Sicherheit und setzte dies in der andauernden Vergrößerung des Vorsprungs um. Auf fünf Treffer setzte sich die Mannschaft von Michael Roth ab, wobei fast die Hälfte der Tore aus Kontern resultierte. Wobei man sich da bei der MT-Balleroberung den einen oder anderen Freiwurfpfiff gewünscht hätte. Die Schieber-Rufe zur Pause waren insoweit verständlich.

Viel ruhiger war der Start in den zweiten Durchgang, zumindest, bis auf das Auspfeifen von Michael Müller, der sich eine Diskussion mit „Kiwi“ und Philipp Barsties leistete. Coburg hatte mehrere Optionen recht schnell näher heranzukommen, ließ die aber ungenutzt liegen. Hätte man sich Sjöstrand im Tor nur ab und an so ausgeguckt wie Weber beim 15:18, der Abstand wäre enger geworden. Melsungen hangelte sich mehr schlecht als recht durch die zwölf Minuten nach der Pause, hielt den Gegner zwar auf Abstand, mehr aber auch nicht. Das erkannte wohl auch Michael Roth und holte seine Jungs in einer Auszeit noch einmal zusammen, da hatte der HSC den Abstand gerade auf zwei Treffer (19:21) verkürzt, schaffte kurz darauf den direkten Anschluss.

Mehr ließ Melsungen nicht zu, was aber nicht unbedingt an der eigenen Stärke lag. Erst weil der Pass von Nico Büdel nicht Sebastian Weber fand, Kirveliavicius als Fast-Alleinunterhalter im HSC-Rückraum langsam aber sicher überfordert war und die Außenspieler weiter ziemlich in der Luft hingen. Nach dem 20:24 gab es also den nächsten Anlauf auf einen Vier-Tore-Rückstand. Wer weiß was passiert wäre, hätte Coßbau frei vom Kreis das 23:24 erzielt. So aber stand es nach vier weiteren „kleinen“ HSC-(Abspiel-)Fehlern mit großen Auswirkungen wenig später 23:27. Zwar versuchte Jan Gorr mit einer Auszeit das Ruder noch einmal herumzureißen – vergeblich. Das Bemühen kann dem Team zwar nicht abgesprochen werden, doch es fehlten die Mittel und die Konzentration. So bleibt es eine Randnotiz, dass Tom Wetzel nach siebenmonatiger Verletzungspause siebeneinhalb Minuten vor dem Abpfiff zu seinem zweiten Einsatz kam nach der Auftaktpartie im September in Melsungen. Und ebenso eine Randnotiz ist, dass die abwehrrobusten Gäste, bei den Zeitstrafen auf Platz Zwei der Liga, erst in der Schlussphase ihre einzige Zwei-Minuten-Strafe kassierten und keinen Strafwurf gegen sich bekamen.

Jan Gorr hatte auch im Spiel gegen Melsungen nicht den vollständigen Kader zur Verfügung.

KOMMENTAR

Seit vergangenen Samstag ist klar, selbst bei allen rechnerischen Optionen – der HSC 2000 Coburg wird nach nur einem Jahr in der Beletage des deutschen Handballs die Liga wieder verlassen müssen. „Am Ende ist es schon eine Qualitätsfrage!“ So brachte HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel die Niederlage gegen die MT Melsungen am vergangenen Samstag auf den Punkt. Denn einmal mehr hatte Coburg mit einem Team, das an den kommenden Wochenenden um den Einzug ins Europapokalfinale kämpft, mitgehalten. Wieder einmal kam der Knock Out in kürzester Zeit und wieder einmal nutzten Harmandic, Riehn, Büdel und Co. die sich bietenden Optionen später nicht, der Partie eine mögliche Wende zu geben. Das Kollektiv, auf das Jan Gorr im Vorfeld der Saison so viel Wert gelegt hatte, hat zu selten funktioniert, auch verletzungsbedingt. Der Coburger Trainer wird nach dieser Saison nie seinen kompletten Kader zur Verfügung gehabt haben.
Trotzdem fehlten oft nur Kleinigkeiten, die sich in der Summe nahezu Spiel für Spiel dann eben doch zu einer Niederlage auftürmten. Zu selten belohnten sich die Coburger für ihre couragierten Auftritte, heftige Pleiten blieben, sieht man von der Partie gegen Magdeburg ab, aus. Ironie der, erst einmal, kurzen HSC-Erstligageschichte – ausgerechnet gegen das Team, gegen das mit einem Auswärtserfolg am ersten Spieltag berechtigte Hoffnungen auf den Ligaverblieb geschürt wurden, kam jetzt das Aus. Aber der HSC 2000 Coburg darf wiederkommen, hat sich in der Liga Achtung verschafft. Wie sagte es MT-Trainer Michael Roth: „Ich würde gerne noch einmal in dieser wunderschönen Arena spielen.“ Nahezu jeder Trainer zollte den Coburgern mit ihrem Taktikfuchs Jan Gorr Respekt. Der sieht nun auch im eigenen Verein Nachwuchsspieler heranreifen, die A-Jugend wird kommende Saison erstmals Bundesliga spielen: „Das habe ich bereits bei meinem Amtsantritt als alternativloses Ziel ausgegeben. Über die Nachwuchsarbeit musste sich in der Personalpolitik ein Wandel vollziehen, auch um talentierte junge Spieler nach Coburg zu bekommen.“ Der HSC ist folglich auf dem richtigen Weg, auch wenn es erst einmal einen Schritt zurückgeht. Eigene, junge Qualität wächst heran und Jan Gorr wird die richtige Mischung für ein Comeback finden. Man muss ihn nur lassen und seinen 2018 auslaufenden Vertrag am besten frühzeitig verlängern. Die Liga kennt Coburg und seinen Trainer jetzt.

Weber bemängelte die vielen technischen Fehler seiner Mannschaft.

STIMMEN

HSC-Trainer Jan Gorr: „Kiwi war heute in bestechender Form, aber in seinen Verschnaufpausen hat uns die Durchschlagskraft gefehlt. Melsungen hat viel über den Tempogegenstoß erreicht, stand die Abwehr erst einmal, stand sie gut.“

HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer: „Wieder einmal hatten wir eine ungenutzte Siegchance, aber wir können von der Breite der Qualität eben nicht mithalten. Der Kampfgeist der Mannschaft war beeindruckend.“

MT-Trainer Michael Roth: „Wir haben es nach der Pause versäumt, früh für klare Verhältnisse zu sorgen, Coburg in dieser Partie gelassen. Das war ein Spiel mit dem Feuer und ist zum Glück gut gegangen.“

MT-Geschäftsführer Axel Geerken: „Wir waren anfangs schon nervös und angespannt aufgrund des Hinspiels. Aber heute konnten wir uns auf den Gegenstoß und TW Sjöstrand verlassen, auch wenn wir zwischendurch kleine Hänger hatten.“

HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: „Die Mannschaft hat sich einmal mehr nicht belohnt. Wir haben lange Zeit mitgehalten und wieder fehlen Kleinigkeiten. Es ist müßig, das von Spiel zu Spiel wiederholen zu müssen.“

HSC-Rückraumspieler Romas Kirveliavicius: „Es ist zwar schön, dass bei mir alles funktioniert hat, aber Punkte wären mir lieber gewesen. Wie so oft verlieren wir ein paar Bälle oder verwerfen und das kostet uns Zählbares.“

HSC-Linksaußen Steffen Coßbau: „Wir hätten den ein oder anderen Ball konsequenter reinmachen müssen. Wieder einmal waren wir nahe dran und es wäre mehr drin gewesen.“

HSC-Kreisläufer Sebastian Weber: „Im Hinspiel hatten wir eine bessere Abwehrarbeit mit dem Torwart, weniger technische Fehler. Das haben wir heute nicht so gut gemacht, viele Bälle weggeworfen und sind gnadenlos bestraft worden.“

STATISTIK

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (15 Gegentore, 3 Paraden), Oliver Krechel (13 Gegentore, 5 Paraden); Philipp Barsties, Markus Hagelin (1), Lukas Wucherpfennig (2), Dominic Kelm, Sebastian Weber (3), Steffen Coßbau (2), Till Riehn, Nico Büdel, Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds (5), Tom Wetzel, Romas Kirveliavicius (11). Trainer: Jan Gorr.

MT Melsungen: Johan Sjöstrand (25 Gegentore, 11 Paraden), Svetislav Verkic (n.e.); Johannes Sellin (11/3), Johhannes Golla, Patrik Fahlgren (1), Felix Danner (1), Philipp Müller (4), Jeffrey Boomhouwer, Momir Rnic (2), Timm Schneider (1), Michael Allendorf (4), Nenad Vuckovic, Dener Jaanimaa (1), Michael Müller (3). Trainer: Michael Roth.

SR: Julian Köppl / Denis Regner – Spielaufsicht: Lars Schaller

Spielfilm: 1:3 (4.), 3:3 (5.), 5:4 (8.), 7:5 (10.), 7:7 (11.), 9:8 (14.) 9:11 (17.), 9:13 (19.), 10:13 (20.), 11:15 (23.), 11:16 (25.), 13:17 – 14:17 (34.), 15:18 (35.), 16:19 (36.), 17:21 (39.), 19:21 (42.), 20:21 (43.), 20:22 (44.), 20:24 (47.), 22:24 (49.), 22:26 (53.), 23:27 (55.), 23:28 (57.), 25:28.

Zuschauer: 2.603 in der HUK Coburg arena

Strafminuten: 2 (Hagelin) – 2 (Vuckovic)
Siebenmeter: 0/0 – 3/3
Beste Spieler: Kirveliavicius, Weber, Hagelin – M. Müller, Sellin, Ph. Müller.

Bericht von Ralph Bilek
Bilder von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)

© HSC 2000 Coburg e.V. 2017