Die Coburger Zweitliga-Handballer zeigen in Bietigheim große Leidenschaft und Moral, stehen aber nach 60 Minuten mit leeren Händen da. Dem HSC fehlen beim Erstliga-Absteiger nur Sekunden für einen Punktgewinn.

Nach einer schwachen Anfangsviertelstunde kämpften sich die Coburger vor 2331 Zuschauern zurück ins Spiel und starteten mit einem 26:26 in die Crunchtime. Doch 100 unkonzentrierte Sekunden kosteten dem HSC letztlich die Chance auf eine mögliche Überraschung.

„Ich glaube, wir hätten heute einen Punkt verdient gehabt. So wie die Jungs gearbeitet haben, tut mir das extrem leid für die Mannschaft“, sagte Jannes Krone am Dyn-Mikrofon. „Aber es hilft nichts. Wir müssen jetzt weiter versuchen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wir haben im Vergleich zu den letzten Wochen einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Darauf gilt es aufzubauen.“

Während sich Bietigheim hinter dem ungeschlagenen TV Hüttenberg auf Platz 2 einordnet, gehören die Coburger (1:7) neben Aufsteiger Oppenweiler/Backnang (1:7) und Bayer Dormagen (0:8) zu einem sieglosen Trio.

SG BBM Bietigheim – HSC 2000 Coburg 34:33 (18:15)

Temporeich ging es in der EgeTrans-Arena von der ersten Minute an zu. Das spielte vor allem den Gastgebern in die Karten. Die Coburger hatten zunächst kaum eine Antwort auf das schnelle Spiel des Erstliga-Absteigers, der immer wieder über die erste Welle erfolgreich war. Vorausgegangen sind den erfolgreichen Abschlüssen der Bietigheimer zumeist Coburger Fehlwürfe aus dem Rückraum, die unzureichend vorbereitet waren.

Nach acht Minuten brachte der starke Nikola Vlahovic die Gastgeber erstmals mit drei Treffern in Führung (7:4). Beim HSC war aber nicht alles schlecht. Vor allem über den Kreis kamen die Coburger durch Bartlomiej Bis und Tin Kontrec zu guten Abschlüssen. Initiator der meisten Offensivaktionen war Mikael Helmersson.

Valkovskis sorgt für neuen Schwung

Fabian Apfel ersetzte Boukovinas im Tor, Pavel Valkovskis brachte neuen Schwung in die Offensive. Der HSC schaffte es das Tempo etwas zu drosseln und die Gastgeber häufiger ins gebundene Spiel zu zwingen. Dort präsentierte sich Bietigheim auch nicht durchgehend souverän und leistete sich nun auch einige technische Fehler. Nach zwei Toren von Valkovskis und einem Durchbruch von Jannes Krone war der HSC sieben Minuten vor der Halbzeitpause auf Tuchfühlung (14:12).

Nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Kapitän Bis drohte Bietigheim wieder zu enteilen (17:12), doch Valkovskis sorgte fast im Alleingang dafür, dass die Gäste mit einem ordentlichen Gefühl in die Kabine gehen konnten. Angesichts der phasenweise berauschenden Vorstellung der Bietigheimer war der Halbzeitstand von 15:18 aus Sicht der Coburger ein gutes Zwischenergebnis.

Mehr Aggressivität beim HSC

Zu Beginn der zweiten Halbzeit gelang den Coburgern sogar der Anschlusstreffer. Valkovskis war weiter im „Flow“ aus dem Feld, Marin Lisac gelang vom „Strich“ schließlich das 19:18. Ausgerechnet in der Sturm- und Drangphase der Coburger gab es wieder eine (doppelte) Zeitstrafe. Neuzugang Nejc Planinsej und Bis mussten auf die Bank und zusehen, wie Bietigheim sich das Momentum mit zwei Toren in Folge zurückholte. Kurze Zeit später kassierte auch Nils Röller zwei Minuten.

Für HSC-Coach Mahmutefendic aber auch ein gutes Zeichen. Denn seine Mannschaft war nun aggressiver und schien bereit mit dem Duell gegen ein Topteam. Defensiv packten die Coburger zu, offensiv übernahm Lisac als Spielmacher mehr und mehr das Zepter. Mit einem Unterhandwurf verpasste der 22-jährige Kroate allerdings den möglichen Ausgleich nach 43 Minuten (23:22).

Comeback kommt zwei Sekunden zu spät

Eine neuerliche Hypothek, die für den HSC zu groß schien. Doch das Mahmutefendic-Team zeigte nochmals Moral und war nach zwischenzeitlich Fünf-Toren-Rückstand eine Minute vor dem Ende plötzlich wieder voll da. Helmersson verkürzte auf 32:33. SG-Coach Iker Romero musste sein Team in einer Auszeit nochmals einschwören. Mit Erfolg. Djibril M’Bengue glückte mit einem Aufsetzer die vermeintliche Entscheidung. Vermeintlich.

Denn Röller gelang zwölf Sekunden vor der Sirene der abermalige Anschlusstreffer. Coburg verteidigte übers ganze Feld und provozierte tatsächlich einen Ballgewinn. Die Kugel landete sogar noch im Tor der Gastgeber. Doch der Wurf von Röller war zwei Sekunden zu spät.

Knauer sank zu Boden und schlug auf den Boden, Bis schrie seine Enttäuschung heraus und Lisac zog das Trikot ins Gesicht. Die Coburger Akteure realisierten in dem Moment: da wäre mehr drin gewesen.

Die Statistik zum Spiel

SG BBM Bietigheim: Tomovski (11 Paraden), Hrdlicka – Vlahovic (6 Tore), Claus, Hadzimuhamedovic, Wolf (8/4), de la Pena (1), Nicolaus (3), Wiederstein, Strosack (1), Pfeifer (2/2), M’Bengue (5), Fischer (5), Hermann (2), Prantner (1)

HSC 2000 Coburg: Boukovinas (2 Paraden), Apfel (11 Paraden) – Dettenthaler, Bis (3), Planinsek (1), Ossowski (1), Kontrec (1), Lisac (4/2), Krone (4/2), Helmersson (3), Knauer (3), P. Valkovskis (8), L. Valkovskis, Röller (4), Schindler, Blahodir

Den gesamten Bericht findet ihr bei unserem Medienparter dem Coburger Tageblatt.

Alle Spiele der 2. Handball-Bundesliga live und auf Abruf bei Dyn.

Bericht vom Coburger Tageblatt

Bild von Max Krause