Der Coburger Sport hat eine seiner verdienstvollsten Persönlichkeiten verloren. Erich Bilek, einer der Gründungsväter des HSC 2000 Coburg und langjähriges Ehrenmitglied, ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 95 Jahren verstorben. Wie kaum ein anderer hat er den Sport, allen voran den Handball, in und um Coburg rund sieben Jahrzehnte lang entscheidend mitgeprägt.

Die Wirren des 2. Weltkrieges hatten Familie Bilek aus dem Sudetenland nach Coburg verschlagen. Bereits im Alter von 17 Jahren war Erich Bilek Mitbegründer der Handballabteilung innerhalb der Coburger Turnerschaft. Bis ins hohe Alter von über 60 Jahren spielte er selbst noch aktiv Handball, überwiegend als Torwart.

Parallel dazu war er innerhalb der Coburger Turnerschaft unter anderem als Jugendtrainer, Schüler- und Jugendleiter, später als stellvertretender Abteilungsleiter und schließlich als Abteilungsleiter tätig. Da sein Interesse aber auch weit über den Handballsport hinaus ging, übernahm Erich Bilek 1982 auch den ersten Vorsitz der Coburger Turnerschaft und übte dieses Amt zwischen 1999 und 2005 ein weiteres Mal aus, weil sich kein geeigneter Kandidat gefunden hatte.

Aber auch außerhalb seines Vereins waren das Engagement und die fachliche Expertise von Erich Bilek überaus gefragt und geschätzt. Er begleitete unzählige Ehrenämter, unter anderem war er 30 Jahre lang aktiver Schiedsrichter, Schriftführer der Schiedsrichtervereinigung, Kreisfrauenwart, Männerspielwart, Pressewart, Kreisvorsitzender, Vorsitzender des Handballbezirkes Oberfranken sowie Mitglied des erweiterten Vorstandes des Bayerischen Handballverbandes. Neben den Ämtern in seinem Handballsport war er über 20 Jahre lang Mitglied des Vorstandes des Coburger Stadtverbandes für Leibesübungen. In Summe eine beeindruckende Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Bekannt war Erich Bilek auch jedem Handballsportler in Stadt und Landkreis Coburg und darüber hinaus als Berichterstatter für die beiden Coburger Tageszeitungen. Er frönte regelmäßig seinen journalistischen Ambitionen und es bereitete ihm große Freude, jedes Wochenende als Berichterstatter und Fotograf in den Coburger Sporthallen unterwegs zu sein.

Mit ganz besonderem Stolz blickte er bis zuletzt auf sein Engagement in Thüringen und Sachsen nach der Wiedervereinigung zurück. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten sein unermüdliches Schaffen. Stellvertretend seien hier die Verdienstmedaille in Gold des BLSV, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Große Goldene Ehrennadel des Bayerischen Handball-Verbandes und – was ihn besonders stolz machte – der Medienpreis des Bayerischen Handballverbandes genannt. Außerdem war er seit 1998 Ehrenvorstand des Bezirks Oberfranken und seit 1999 auch Ehrenmitglied des Bayerischen Handball-Verbandes.

So sehr er sich um die Belange „seiner“ Turnerschaft kümmerte, war Erich Bilek aber auch schon immer ein Visionär, der stets über die Vereinsbrille hinausschaute und jederzeit das große Ganze im Blick hatte. Bereits in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unternahm der von allen Seiten ehrfurchtsvoll „Handballpapst“ genannte Erich Bilek zusammen mit seinem langjährigen Freund Herbert „Mordl“ Fischer erste Versuche, die besten Handballer der Region unter dem Dach der Turnerschaft zu vereinen. Das Vorhaben scheiterte damals noch am Vereinsdenken und der Rivalität zwischen den Vereinen. Doch Erich Bilek sollte sein großes Ziel noch erreichen. Ende der neunziger Jahre traf er sich als Vorsitzender der Coburger Turnerschaft regelmäßig mit dem damaligen OB und Sportreferent Norbert Kastner, um neben allgemeinen sportlichen Themen auch für seine Idee eines großen Coburger Handballvereins zu werben.

Mit Erfolg, denn kurz darauf nahm die Vision immer deutlichere Konturen an und mündete schließlich am 10. März 2000, exakt am 31. Geburtstag seiner im letzten Jahr viel zu früh verstorbenen Tochter Iris, in die Gründung des HSC 2000 Coburg-Neuses. Und natürlich gehörte Erich Bilek auch zu den 17 Gründungsmitgliedern des neuen Vereins. Der Stolz über die erfolgreiche Entwicklung „seines“ HSC war ihm auch deutlich anzumerken, als er – wenn auch bereits gesundheitlich schwer gezeichnet – im Frühjahr dieses Jahres beim 25-jährigen Jubiläums unseres Vereins im Kreise seiner damaligen Weggefährten noch einmal den Beifall der Coburger Handball-Familie entgegennehmen durfte. Auch in seinen letzten Tagen betonte er nochmals gegenüber seinem Sohn Ralph, dass mit dem ersten Erstligaaufstieg des HSC im Jahr 2016 ein persönlicher Traum in Erfüllung gegangen war, von dem er nicht erwartet hätte, dass das noch zu seinen Lebzeiten passieren würde.

Erich Bilek hat mit seinem großen Engagement, seiner Hingabe für den Sport und seinem rastlosen Wirken große Spuren in der Coburger Sport-Landschaft hinterlassen, die bis heute nachwirken. Auch alle, die mit dem HSC 2000 Coburg verbunden sind, werden Erich Bilek immer in guter Erinnerung behalten. Unser tiefstes Beileid und Mitgefühl gelten seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Der Coburger Handballsport und vor allem der HSC 2000 Coburg trauern um eine seiner größten Persönlichkeiten.