Normalerweise wäre beim HSC Coburg vor dem Derby gegen den HC Erlangen in der Geschäftsstelle die Hölle los, doch auch am Donnerstagabend müssen die Fans mit dem Fernseher vorlieb nehmen, wenn sich die beiden fränkischen Erstligisten duellieren.

Im letzten Auswärtsspiel gegen Balingen hat der HSC 2000 Coburg eine unangenehme 26:34 Niederlage hinnehmen müssen. Währenddessen haben die Erlanger Handballer zuhause einen Überraschungssieg gegen die Füchse Berlin (30:27) gefeiert. Somit liegt die Favoritenrolle für das heutige Frankenderby eher beim HC.

Trotzdem haben die Schützlinge von Trainer Michael Haaß den Sieg schon keineswegs sicher. Die Coburger sind bis in die Haarspitzen motiviert und wollen beim Derby alles geben – denn es geht um mehr, als nur die 2 Punkte für die Sieger. Deshalb kann die Partie am heutigen Donnerstagabend für beide Mannschaften gleichermaßen verloren oder gewonnen werden. Und der Blick in die Vergangenheit spornt die Vestestädtern an: im letzten Bundesliga-Duell in der HUK-COBURG arena konnte man gegen den Rivalen aus Mittelfranken einen 30:28 Sieg einfahren. Ein ähnlicher Spielverlauf, bei dem die vom Scheitel bis zur Sohle hochmotivierten Coburger den längeren Atem hatten, könnte darum heute erneut eintreten.

Die bisherige Bilanz in der Liga mit fünf Punkten aus 17 Spielen bei einem Torverhältnis von 424:514 für den HSC Coburg und 15 Punkten aus 16 Spielen und ein positives Torkonto (429:428) beim HC Erlangen stehen dem zwar etwas entgegen, aber der Ausgang eines Derby ist zumeist schwer vorherzusagen. 

Mraz: „Wir kämpfen bis zum Umfallen“

Angesichts solcher Zahlen sieht auch HSC-Trainer Alois Mraz seine Crew eher in der Außenseiterrolle: „Erlangen hat sich vor der Saison noch einmal richtig gut verstärkt, kommt nach dem Sieg gegen Berlin natürlich mit breiter Brust nach Coburg.“ Trotzdem hofft Mraz auf ein richtiges Derby, in dem sein Team die Chance ergreifen kann: „Wir müssen uns treu bleiben, hellwach sein, gegen den starken Rückraum des HC eine gute und bewegliche Abwehr stellen.“ Schließlich könnten die Erlanger Rückraum-Kanoniere nicht nur aus zehn oder elf Metern wuchtig abschließen, sondern auch immer wieder ins Eins-gegen-Eins gehen. Der HSC-Trainer will die „Halben“ attackieren, gegen die beiden Ex-Coburger Nico Büdel und Benedikt Kellner kompakt agieren. Mraz erinnert an das gute Testspiel im Sommer letzten Jahres gegen Erlangen, als sein Team mit Tempospiel, in gewissen Situationen aber auch mit viel Geduld, lange Zeit auf Augenhöhe mit dem HCE agierte.

Haaß hofft auf „volle Kapelle“

Zum HC Erlangen: Personell sieht es beim Favoriten wieder deutlich besser aus. Die WM-Teilnehmer Sebastian Firnhaber, Antonio Metzner, Klemen Ferlin und Petter Overby sind längst wieder integriert und die lange Verletztenliste lichtet sich langsam. „Ich habe den Traum, dass wir in Coburg mit voller Kapelle anreisen“, sagte Haaß. Ob Link und Olsson in der HUK-Arena dabei sind, ist jedoch offen. „Wir sind glaube ich schon der Favorit, was meiner Meinung nach aber auch sehr gefährlich ist. Ich halte Coburg gerade nach der Pause für stärker als es die Tabellensituation aussagt. Wir werden nicht den Fehler machen und den Gegner unterschätzen“, sagte Haaß.

Ein Sieg wäre die Basis für höhere Ziele, denn nach Überzeugung von Haaß hat sein Team – „wenn wir in Vollbesetzung spielen können“ – das Potenzial, viele Mannschaften in der 1. Liga zu ärgern. So wie es dem HCE gegen die „Füchse“ gelang – da wuchs der Außenseiter auf eigener Platte förmlich über sich hinaus. 

Gorr: „Ein Riesensatz ist notwendig“

„Um diese Aufgabe erfolgreich zu lösen, braucht es einen Riesensatz von uns. Erlangen hat sich einen richtig guten Kader zusammengestellt, aber gerade im Derby haben wir schon das eine oder andere Mal gezeigt, dass wir trotzdem in der Lage sind, ein Ausrufezeichen zu setzen.“ Für Gorr wäre ein Sieg in zweierlei Hinsicht überragend: „Ein Derby an sich zu gewinnen, ist natürlich schon etwas Besonderes, nicht selbstverständlich und schon gar nicht alltäglich. Zum anderen wären es für uns die Punkte drei und vier in der Rückrunde nach dem Neu-Start. Das ist natürlich unglaublich verlockend.“

Alles andere als verlockend ist dagegen die Situation in der HSC-Geschäftsstelle: „Normalerweise wäre in den Tagen vor dem Derby bei uns die Hölle los. Das Telefon würde nicht stillstehen, unsere Klingel wäre im Dauerbetrieb. Der Vorverkauf wäre mit ausverkauftem Haus wohl bereits abgeschlossen“, sagt Gorr. Stattdessen herrsche eine gespenstische Ruhe vor dem Geisterspiel und die Handballfans werden das spannende Spiel daheim auf Sky verfolgen – das würde viel über diese ungewöhnlichen Zeiten aussagen.

 

Bericht von inFranken

Bild von Svenja Stache