Der Auftakt in die zweite Halbserie ist geglückt: Zweitligist HSC 2000 Coburg schlägt den TV Emsdetten deutlich. Der HSC braucht aber eine Halbzeit Anlauf. Neuzugang Tumi Steinn Runarsson überzeugt bei seinem Debüt.

Coburg — 900 Fans waren zum ersten Heimspiel des neuen Jahres erlaubt. Voll ausgeschöpft wurde die Kapazität zwar nicht, mit 742 Zuschauern kamen aber mehr als im Vorfeld erwartet. Und die, die in die Coburger HUK-Arena gekommen waren, sahen einen starken HSC 2000 Coburg – zumindest nach der Halbzeitpause. Nachdem der TV Emsdetten im ersten Abschnitt die bessere Mannschaft war, drehte der Zweitligist aus der Vestestadt in der zweiten Hälfte auf und kam zu einem deutlichen 34:25 (13:14)-Heimsieg. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragten neben Torwart Jan Jochens und Torjäger Florian Billek Neuzugang Tumi Steinn Runarsson hervor.

2. Bundesliga

HSC 2000 Coburg – TV Emsdetten 34:25 (13:14) „Wir waren unfassbar selbstbewusst. In der Abwehr, im Tor und auch im Angriff. Was Tumi da gemacht, oder auch Tobi Varvne und Andreas Schröder, genau so müssen wir spielen“, sagte HSC-Torjäger Florian Billek nach dem Spiel bei sportdeutschland.tv und sprach einen der auffälligsten Coburger des Abends an: Tumi Steinn Runarrson. Nach einer Viertelstunde kam der 21-jährige Isländer, der kürzlich von Valur Iceland nach Coburg gewechselt war, ins Spiel. Runarsson belebte den Angriff des HSC, überzeugte mit Übersicht und übernahm – nach Fehlwürfen von Milos Grozdanic und Florian Billek – Verantwortung von der Siebenmeterlinie. Mit sieben Treffern war der Isländer nach Billek (11/4) bester Coburger Werfer des Abends.

Allerdings brauchten die Vestestädter eine Halbzeit, um auf Touren zu kommen. Nach sieben Minuten stellte sich der Ex-Coburger Oliver Krechel ein erstes Mal vor und entschärfte den Siebenmeter von Milos Grozdanic, der auf Linksaußen Max Preller den Vorzug geben musste. Obwohl das Spiel zunächst ausgeglichen verlief, hatten die Gäste aus dem Emsland in der Anfangsphase stets leichte Vorteile (4:6, 12.). Coburg hatte Probleme, die 6:0-Deckung Emsdettens zu knacken. Auf der Gegenseite überzeugten die Gäste mit einer hohen Effektivität. Zeitweise hatte Emsdetten im ersten Abschnitt eine Wurfquote von 80 Prozent, der HSC lediglich eine von 60 Prozent.

Zwischen Minute 13 und 19 hatte die Mannschaft von Trainer Brian Ankersen, der auf seinen kompletten Kader zurückgreifen konnte und Dieudonné Mubenzem nicht für das Augebot nominierte, ihre schwächste Phase. Nachdem Tobias Varvne, der nach dieser Saison zu seinem Ex-Verein LIF Lindesberg in die schwedische Heimat zurückkehren wird, den 6:6-Ausgleich erzielt hatte (13.), blieb der HSC sechs Minuten ohne Tor. Die Folge: Emsdetten zog auf 10:6 davon (19.). HSC-Trainer Ankersen reagierte mit einer Auszeit – und traf die richtigen Maßnahmen. Im rechten Rückraum kam Jakob Knauer für Merlin Fuß und am Kreis Jan Schäffer für Justin Kurch. Zudem kehrte Tobias Varvne auf das Spielfeld zurück und sollte mit Neuzugang Tumi Steinn Runarsson ein spielfreudiges Duo im linken Rückraum beziehungsweise auf der Spielmacherposition bilden. Und: Ankersen stellte in der Defensive auf eine offensivere 5:1-Formation um. Seine Auszeit machte sich bezahlt.

Jan Jochens wird zum Faktor

Runarsson erzielte seinen Premierentreffer (8:11, 20.), und nach 23 Minuten war der HSC wieder auf ein Tor an Emsdetten herangekommen (10:11). Ein Grund: Die Einwechslung von Jan Jochens, der mit zwei Paraden einen guten Einstand hatte und auch in der Folge einige Bälle entschärfte. Noch hatten die Gastgeber im Positionsspiel aber Probleme und erzielten nur sechs ihrer ersten zehn Treffer aus dem Feld. Die restlichen vier Tore steuerte Billek per Siebenmeter bei.

„Wir haben in der ersten Halbzeit super verteidigt“, sagte dann auch der einstige Coburger Torwart Oliver Krechel nach dem Spiel bei sportdeutschland.tv und ergänzte: „Wir haben uns ein paar technische Fehler zu viel erlaubt, sonst hätten wir zur Pause höher führen können.“ Nachdem Terhaer nach einem leichten Coburger Ballverlust das 13:10 (24.) erzielt hatte, waren die Hausherren nach schnellen Toren von Preller, Knauer und Billek nach den ersten 30 Minuten in Schlagdistanz (13:14.). Eine Erklärung für die durchwachsene erste Halbzeit hatte Billek nicht: „Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt und haben uns in der ersten Halbzeit gedacht: ,Warum läuft das denn nicht?’ Wir waren nervös und haben ein paar Bälle weggeworfen. In der Halbzeitpause haben wir uns gesagt, dass wir die Handbremse lösen müssen.“ Und wie sich die Handbremse löste.

Denn: Unmittelbar nach der Halbzeitpause nahm der HSC-Express an Fahrt auf. Erst drehten Knauer und Schäffer das Spiel (15:14, 33.), dann vollendete Billek in seiner unnachahmlichen Art den 4:0-Lauf des HSC und zwang Gäste-Trainer Bertow zu einer schnellen Auszeit (36.). Doch anders als die taktische Maßnahme von HSC-Trainer Ankersen verfehlte Bertows Auszeit ihre Wirkung.

Welche Worte Coburgs Trainer in der Kabine auch gefunden hatte, es waren die richtigen. Der HSC deckte in der Abwehr nicht nur offensiver, sondern auch leidenschaftlicher und beweglicher – und belohnte sich mit zahlreichen Balleroberungen. Aus dieser stabilen Deckung kamen die Hausherren nun so richtig ins Rollen. Über 19:15 (39.) setzte sich Coburg auf 23:17 ab (43.) – beide Treffer erzielte der starke Debütant Runarsson. Keine 15 Minuten nach Wiederbeginn musste TVE-Trainer Bertow bereits seine zweite Auszeit nehmen. Aufzuhalten war der Coburger Schnellzug zu dieser Zeit aber längst nicht mehr – im Gegenteil.

HSC-Torwart Jochens parierte weiterhin stark und im Angriff saß nahezu jeder Versuch. Beim 28:20 (50.) durch Kapitän Andreas Schröder betrug der Coburger Vorsprung erstmals acht Tore. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die HSC-Offensive, die satte 21 Tore in Halbzeit 2 erzielte, deutlich an Effektivität zugelegt und versenkte starke 89 Prozent ihrer Würfe im Netz. „Wir wussten, dass Emsdetten keinen breiten Kader hat und haben das gut genutzt“, sagte Billek.

Steigerung in Abwehr und Angriff

Aber auch die Defensive hatte sich gesteigert. In den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit ließ Coburg nur vier Tore zu, in den gesamten zweiten 30 Minuten kassierte der HSC nur elf Gegentore. Wegen der klaren Coburger Leistungssteigerung war die Begegnung frühzeitig entschieden, näher als auf fünf Tore kamen die Gäste nicht mehr heran (29:24, 54.). Den Schlusspunkt zum 34:25-Endstand setzte Runarsson von der Siebenmeterlinie. Der junge Isländer leistete sich im ganzen Spiel keinen Fehlwurf. Es war ein Einstand nach Maß.

Statistik

HSC 2000 Coburg: Kulhanek (1 Parade), Jochens (10 Paraden) – Preller (2), Runarsson (7/3), Fuß, Toom, Billek (11/4), Juskenas, Knauer (3), Varvne (4), Schäffer (2), Schikora (1), Kurch (1), Grozdanic, Schröder (3), Bauer

TV Emsdetten: Paske (0 Paraden), Krechel (6 Paraden) – Terhaer (5/3), Dimietrievski (2), Schwabe (2), Kolk, Schliedermann (4), Thomas, Tamms, Holzner (5), Stüber (2), Mihaljevic (1), Goldbeck, Nowatzki (4)

Schiedsrichter: Manuel und Jan Lier

Zuschauer: 742

Zeitstrafen: 4:5 (Runarsson, Varvne, Schäffer, Kurch – 2x Mihaljevic, Dimietrievski, Schwabe, Schliedermann)

Siebenmeter: 7/9 (Billek und Grozdanic scheitern je einmal) – 3/3 (Terhaer trifft alle Versuche)

Spielfilm: 0:1 (1.), 2:1 (3.), 3:3 (5.), 3:5 (8.), 4:6 (12.), 6:6 (13.), 6:10 (19.), 10:11 (23.), 10:13 (24.), 11:13 (16.), 13:14 (30.), 15:14 (33.), 17:14 (36.), 19:15 (39.), 22:16 (43.), 24:17 (45.), 26:19 (48.), 28:20 (50.), 30:24 (55.), 32:24 (57.), 34:25 (60.)

Beste Spieler: Jochens, Billek, Runarsson / Krechel, Holzner

Bericht von inFranken

Bild von Svenja Stache