Zweitligist HSC 2000 Coburg verliert dramatisch ein rassiges Derby gegen Eisenach. Trotzdem werden die Vestestädter nach dem Spiel von ihren Fans gefeiert – genau wie zwei langjährige Stützen, die den Klub verlassen.

Coburg — Tobias Varvne kämpfte mit den Tränen. Sichtlich angefasst stand der 35-Jährige nach dem Spiel auf dem Feld der HUK-Arena. Wo sich kurz zuvor noch ein rassiges fränkisch-thüringisches Zweitliga-Derby zwischen dem HSC 2000 Coburg und dem ThSV Eisenach (25:26) abgespielt hatte, wurde es nun emotional. Wie acht weitere Spieler wurde der Schwede vom Verein verabschiedet – und der feierte trotz einer bitteren Derby-Niederlage ein Fest mit seinen Fans.

2. Bundesliga HSC 2000 Coburg – ThSV Eisenach 25:26 (15:14)

Der Frust war schnell verflogen. Wenige Minuten, nachdem das Derby gegen Eisenach abgepfiffen war, hellte sich die Stimmung im Lager der Coburger wieder auf. Sie ließen sich von ihren Fans für eine über weite Strecken starke Leistung gegen den Tabellendritten feiern. Weil auch die zahlreichen Eisenacher Fans mit ihrer Mannschaft in der Halle den Sieg und die starke Saison des ThSV bejubelten, entstand vor über 2000 Fans ein würdiger Rahmen für das, was noch folgte: die Verabschiedung der Spieler, die den HSC nach dieser Saison verlassen.

Jeder der neun wechselnden Spieler – neben Varvne verlassen auch Jan Kulhanek, Stefan Bauer, Milos Grozdanic, Karl Toom, Justin Kurch, Paul Schikora, Lukas Juskenas und Dieudonné Mubenzem Coburg – wurde von HSC-Geschäftsführer Jan Gorr mit persönlichen Worten verabschiedet. Zwar haben sich auch Grozdanic und Kurch in ihren zwei Jahren in Coburg offenbar in die Herzen der Fans gespielt, besonders emotional wurde es aber bei Spielmacher Varvne und Torwart Kulhanek, für die der Verein Einspieler mit ihren besten Aktionen der vergangenen Jahre vorbereitet hatte.

„Tobi, Tobi“ oder „Wolle, Wolle“ hallte es lautstark durch die Arena. Überraschend war das nicht, schließlich zählen Varvne und Kulhanek zu den dienstältesten HSC-Profis und zu den Lieblingen der Coburger Fans.

„Es tut mir weh, zu gehen. Aber ist Zeit, denn ich war über zehn Jahre im Ausland“, sagte Varvne, der aus familiären Gründen zurück in die Heimat geht, nach dem Spiel im Kabinentrakt der Coburger Arena. Seit 2017 ist der 35-Jährige der Denker und Lenker im Coburger Angriff. Künftig wird er wieder für seinen Heimatverein LIF Lindesberg spielen – und wohl noch eine Weile am HSC hängen: „Ich werde es vermissen, in der HUK-Arena vor diesen tollen Fans zu spielen.“

2014 von ihnen kamen zum Derby gegen Eisenach – so viele wie noch nie in dieser Saison. Und sie sahen ein rassiges Derby, in dem der HSC über weite Strecken die bessere Mannschaft war und nach der Pause mit fünf Toren führte. Doch der ThSV kehrte bemerkenswert zurück, spielte im Angriff konsequent mit dem siebten Feldspieler – und hatte in der Schlussphase mit Johannes Jepsen einen starken Rückhalt.

Das Highlight hatten sich die Wartburgstädter aber bis zum Schluss aufgehoben. Drei Sekunden vor dem Spielende griff der ThSV in die Trickkiste, spielte einen Doppel-Kempa und Alexander Saul, mit sechs Treffern bester Eisenacher Werfer, traf zum 26:25-Endstand – wie in Hamm kassierte der HSC einen Kempa-Schock kurz vor Schluss. Doch im Gegensatz zur Niederlage beim Bundesliga-Aufsteiger hatte das die Stimmung nicht nachhaltig getrübt.

„Wir sind Sportler und wollen immer gewinnen. Aber für mich war am wichtigsten, dass wir noch einmal eine gute Leistung zeigen – und das haben wir gemacht“, sagte HSC-Trainer Brian Ankersen. Wie beim Sieg am Dienstag über die HSG Nordhorn-Lingen war der HSC gegen eine Spitzenmannschaft der Liga lange Zeit die bessere Mannschaft und betrieb nach einer verkorksten Runde erneut Wiedergutmachung beim eigenen Anhang – auch wenn die Party ohne Punkte steigen musste.

Kulhanek nur auf der Bank

Neben den erhofften Punkten mussten die Fans auch auf Kulhanek, der seit 2015 in Coburg spielt und von Hallensprecher Thomas Apfel als „lebende Legende“ bezeichnet wurde, verzichten. Der 41-Jährige saß wegen Adduktoren-Problemen 60 Minuten auf der Bank. „Ich habe so viele Spiele für Coburg gemacht und kein Problem damit, dass ich nicht spielen konnte. Es war so abgesprochen, dass ich nur spiele, wenn das Spiel kurz vor Schluss entschieden ist – und das war es nicht“, sagte Kulhanek, den Geschäftsführer Gorr als „besten Torwart, mit dem ich zusammengearbeitet habe“ bezeichnete.

Auch Gorr war nach dem Spiel ob der Abgänge von Varvne und Kulhanek, die er lange Jahre als Trainer des HSC trainiert hatte, berührt: „Mich hat das schon die ganze Woche beschäftigt. Es ist unfassbar schade, dass es jetzt auseinandergeht – aber auch das gehört zum Sport.“

 

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Jochens (9 Paraden), Apfel (2 Paraden) – Runarsson (3), Fuß (1), Toom, Billek (3), Mubenzem, Juskenas, Knauer (2), Varvne (4), Schäffer (4), Dettenthaler, Kurch (4), Grozdanic (4), Schröder

ThSV Eisenach: Lucin (1 Parade), Jepsen (10 Paraden) – Iffert, Wöhler, Potisik, Hangstein (6/2), Ulshöfer, Walz, Tokic (1), Sousa (2), Dicker, Donker, Schneibel (4), Snajder (1), Weyhrauch (4), Saul (8)

Schiedsrichter: Kauth (München) / Kolb (Augsburg)

Zuschauer: 2014

Zeitstrafen: 1:5 (Kurch – 2x Snajder, Hangstein, Sousa, Dicker)

Siebenmeter: / – 2/2 (Hangstein trifft beide Versuche)

Spielfilm: 2:1 (3.), 2:3 (5.), 5:5 (9.), 6:8 (11.), 8:8 (15.), 10:9 (17.), 13:11 (22.), 14:12 (25.), 15:13 (28.), 15:14 (30.), 17:14 (33.), 20:15 (36.), 21:19 (43.), 22:23 (50.), 23:24 (55.), 25:24 (58.), 25:26 (60.)

Beste Spieler: Jochens, Schäffer / Jepsen, Saul

 

Bericht www.coburger-tageblatt.de

Bild Svenja Stache