Der HSC 2000 Coburg unterlag nach einer ernüchternden Vorstellung mit 27:33 (13:18) gegen den TuS Ferndorf. Für die von Verletzungssorgen – Ferndorf fehlten acht Spieler – geplagten Siegerländer war der erste Sieg gegen den HSC überhaupt der wohl entscheidende Schritt zum Klassenerhalt.
Und die Vestestädter? Die laufen Gefahr, eine Saison, in der das Ziel „Top Fünf“ verpasst wird, austrudeln zu lassen. Eine laxe Einstellung, kein Aufbäumen, offensiv und defensiv auf überschaubarem Niveau: In dieser Verfassung dürfte die Mannschaft von Trainer Anel Mahmutefendic ein gern gesehener Gegner in der Schlussphase der Saison werden.
Denn: Für den HSC geht es in den letzten vier Spielen dreimal gegen Mannschaften, die wie zuletzt die Eulen Ludwigshafen und nun Ferndorf um den Klassenerhalt kämpfen. Erst geht es zum TuSEM Essen, dann wartet die HSG Krefeld Niederrhein, ehe der TSV Bayer Dormagen in Oberfranken gastiert.
2. Bundesliga
HSC 2000 Coburg – TuS Ferndorf 27:33 (13:18)
„Es wird“, warnte Mikael Helmersson am Dyn-Mikrofon, „noch extremer.“ Was der HSC-Torjäger meinte? Die Leidenschaft und Galligkeit, mit der die kommenden Gegner der Coburger wohl aufwarten werden. Schließlich geht es für Essen, Krefeld und Dormagen noch um das Ticket für ein weiteres Jahr Zweitklassigkeit – genau wie für Ferndorf vor dem Spiel. „Man hat gesehen, dass Ferndorf ums Überleben kämpft. Von uns war das einfach zu wenig“, nahm Helmersson kein Blatt vor dem Mund. An dem Italiener, der den HSC nach der Saison verlassen wird, lag die Niederlage nicht. Zwölf Treffer erzielte Helmersson, der mit Kapitän Jakob Knauer bester Coburger des Abends war.
Zu viele Einzelaktionen beim HSC
Von der ersten Minute an wirkten die Angriffsbemühungen der Siegerländer deutlich flüssiger und durchdachter als das Spiel der Coburger, bei denen mehr die Einzelaktionen als das gebundene Spiel dominierten. Der TuS kreuzte viel und schaffte es immer wieder, Durchbrüche und damit aussichtsreiche Einwurfmöglichkeiten zu kreieren.
Die logische Folge: Die Gäste lagen in den ersten 15 Minuten stets in Führung. HSC-Trainer Anel Mahmutefendic sah sich gezwungen, frühzeitig einen neuen Impuls zu setzen. Der Niederländer tauschte Torwart Petros Boukovinas, der keinen Ball an die Finger bekam, gegen Eigengewächs Fabian Apfel aus. Nach dem Siebenmetertreffer von Josip Eres führte der TuS zunächst aber erstmals mit drei Treffern (9:6, 16.).
Daniel Hideg erhöhte kurz darauf sogar auf 11:7 (18.) – und Mahmutefendic reagierte mit einer Auszeit. „Wir müssen mehr investieren als das, was wir bisher gemacht haben“, nahm der HSC-Trainer seine Mannschaft in die Pflicht. Etwas überraschend sprach Mahmutefendic aber nur den Angriff und nicht die Abwehr an, die sich alles andere als stabil präsentierte.
Coburgs Chefanweiser griff aber auch personell ein und brachte Marks Lilienfelds und Knauer für Helmersson und Nejc Planinsek. Und: Mahmutefendic stellte zeitweise auch auf den siebten Feldspieler um. Besser wurde es allerdings nicht – im Gegenteil.
Kurzzeitiges Aufbäumen
In der zweiten Hälfte schien es zunächst so, als würden die Vestestädter besser in die Partie finden. Apfel im Tor legte die eine oder andere Parade auf die Platte, was der HSC nutzte, um zu verkürzen. Kurz danach ging es aber weiter mit Pleiten, Pech und Pannen aus Sicht der Coburger. In Überzahl leistete sich der HSC einen technischen Fehler und statt auf drei Treffer zu verkürzen, stellte Nico Schnabl auf 22:17 für den TuS (39.).
Diesen Vorsprung nahmen die Gäste, die nur sechs Wechseloptionen auf der Bank sitzen hatten, mit in die Schlussphase. Unaufgeregt, mit kühlem Kopf und defensiv weiter aufmerksam: Ferndorf knüpfte an die starke Vorstellung aus dem ersten Spielabschnitt an und lag hochverdient komfortabel in Führung (27:22, 50.).
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Bericht vom Coburger Tageblatt
Bild von Svenja Sommer





