Mit einem 8:1-Lauf in der ersten Halbzeit schafft sich der HSC 2000 Coburg optimale Voraussetzungen für das weitere Spiel gegen den Angstgegner der vergangenen Saison.

HSC 2000 Coburg – HC Elbflorenz 30:23 (16:11)

Vor 1509 Zuschauern feierte der HSC 2000 Coburg einen Saisonauftakt nach Maß. Mit einem 8:1-Zwischenspurt in der Mitte der ersten Halbzeit legten die Coburger den Grundstein für den 30:23-Erfolg über den HC Elbflorenz, in einem Spiel, in dem über weite Strecken ein hohes Tempo gegangen wurde. Es war der erste HSC-Auftakterfolg nach 2014 in der zweiten Liga. Lediglich in der ersten Liga in Melsungen 2016 wurde die erste Partie gewonnen. 2015 in Rostock und 2017 in Lübeck gab es Niederlagen. Erleichtert zeigte sich Jan Gorr: „Ich bin froh, dass wir diesmal das erste Spiel gewonnen haben.“ Erleichtert dürfte er auch darüber gewesen sein, dass dies gegen ein Team gelang, gegen das vergangene Saison zwei Mal verloren wurde.

Elbflorenz, bei dem Gabor Pulay überraschend dabei war, musste auf Rückraumakteur Marc Pechstein verzichten, Jan Gorr auf Philipp Barsties. Wenigstens war, „genau nach unserem Zeitplan“ so Vorstandsprecher Stefan Apfel schmunzelnd, die Spielgenehmigung für Anton Prakapenja am Freitagmittag eingetroffen.

Neuzugang Christoph Neuhold war es vorbehalten, den HSC-Torreigen für die Saison 2018/2019 zu eröffnen. Interessant war von Anfang an das Duell der Blondschöpfe am Kreis in der HSC-Deckung, Markus Hagelin auf der einen und Henning Quade auf der anderen Seite. Da wurde um jeden Zentimeter gerungen. Das erste Highlight zeigten die Coburger. Zum Zungeschnalzen war das Anspiel vor dem 4:4 durch Felix Sproß – per Rückhand steckte Neuhold den Ball auf die Außenposition durch. Dresden konterte das mit schneller Mitte und der erneuten Führung. Aus einer Unterzahl heraus ging der HSC dann aber erstmals mit zwei Toren in Führung, ließ sich anschließend erneut mit einem schnell ausgeführten Anwurf überrumpeln. Da gab es Nachholbedarf, Jan Gorr holte sich Zettermann an die Seitenlinie.

Mindestens gelb-würdig war die Szene vor dem 8:6 durch Tobias Varve, dessen Trikot total zerrissen wurde, als er sich durch die HC-Abwehr tankte und nach nicht einmal 15 Minuten ein neues Kleidungsstück benötigte. Einen, dem Gleiches oft passiert war, schmunzelte darüber auf der Tribüne – Ex-Kreisläufer Dominic „Bobo“ Kelm. Er dürfte es auch verschmerzen, dass er nur Sekunden später von Florian Billek mit dessen Treffer zum 9:6 von Platz Zwei der ewigen HSC-Torschützenliste verdrängt wurde. Der pushte die Fans noch mehr und das war der Ausgangspunkt für einen HSC-Lauf bis zum 12:6. Dresdens Coach Christian Pöhler nahm zwei Auszeiten, brachte den siebten Feldspieler – alles vergeblich. Coburg war wie im Rausch, vieles erinnerte in dieser Phase an den letzten Heimauftritt gegen Emsdetten in der vergangenen Saison. Allerdings war Gorr mit dem Einsatz von Varvne ein hohes Risiko gegangen. „Es schien gut, aber jetzt nach dem Spiel ist es wieder schlechter, mal sehen wie es sich bis kommende Woche entwickelt.“

Schnell beendete Dresden das Experiment mit dem zusätzlichen Feldspieler, Pulay kam und sie kamen mit ihm und Greß wieder besser in die Partie. Trotzdem war deren Trainer alles andere als zufrieden. Seiner Gestik nach zu deuten, hätte er sich ein breiter angelegtes Spiel seiner Mannschaft gewünscht. Vieles konzentrierte sich tatsächlich aufs Zentrum, wo die Coburger Abwehr gute Arbeit verrichtete. Gegen Ende des ersten Durchgangs mussten beide Teams dem extrem hohen Tempo Tribut zollen, das sie von der ersten Minute an gegangen waren. Die Angriffe wurden länger ausgespielt, Tore blieben Mangelware. Ein sich über sich selbst ärgernder Florian Billek verschwand dann nach dem Pausenpfiff im Kabinengang, hatte er doch Sekunden zuvor einen Strafwurf vergeben. Trotzdem war der Vorsprung des HSC mit fünf Toren komfortabel.

Die Torarmut dauerte noch etwas an – bis sich der HSC auf sieben Treffer absetzte. Was dann folgte, waren zwei erstklassige Kreisanspiele von Roman Becvar, die Norman Flödl sicher verwandelte. Die Gäste waren nicht gewillt, klein beizugeben. In der Abwehr agierten sie jetzt äußerst geschickt, provozierten zwei Stürmerfouls in Folge und hatten mit einem freien Wurf von der Rechtsaußenposition die Chance auf drei Tore zu verkürzen, vergaben nach 40 Minuten diese Option. Aber sie zeigten die Verwundbarkeit der Coburger mit schneller Mitte immer wieder auf. Es war eine kritische Phase aus deren Sicht, da sie nur vom erspielten Vorsprung zehrten. Spielerisch konnten sie jetzt doch überraschend wenig Akzente setzen, bis die Übersicht von Neuhold mit einem Pass auf Prakapenia bei offener Deckung der Gäste im Überzahlspiel Beruhigung brachte. Der Weißrusse ließ sich die Option nicht entgehen. Doch die Beruhigung dauerte nur kurz, weil Dresden keinen Deut locker ließ, Coburg zu viele kleine Fehler machte. Hier ein schlechtes Kreisanspiel, da ein schwacher Pass, mit dem Dresden zum Kontern eingeladen wurde. „Das war eine der zwei Phasen, in denen wir zu viel zugelassen haben“, resümierte Gorr nach der Partie.

Mit einem Drei-Tore-Vorsprung ging es in die letzten zehn Minuten. Dresden wählte in der Abwehr eine immer offensiver werdende Variante, störte so den Spielaufbau beim HSC zu Beginn dieser „Crunch-Time“. „Wenn wir da noch einmal auf zwei oder ein Tor hätten verkürzen können, wäre es für Coburg noch einmal eng geworden, hätten wir vielleicht die zweite Luft bekommen und es wäre noch etwas möglich gewesen“, trauerte HC-Coach Christian Pöhler etwas den vergebenen Chancen hinterher, da Jan Kulhanek vorentscheidende Bälle parierte. Auch mit Entscheidungen der beiden Unparteiischen konnte in dieser Phase aus Coburger Sicht gehadert werden. Aber sie behielten den Kopf oben, wichtig war das 27:22 von Florian Billek per Strafwurf, den er selbst herausgeholt hatte. Sein Gegenspieler blieb zuvor nur, das allerdings unbestraft, der Griff in den Wurfarm. Als ein ganz starker Neuhold das 28:22 markierte, war der Auftaktsieg endlich in trockenen Tüchern. Dresden blieb zwar in den Schlussminuten bei seinem schnellen Spiel nach vorne und der offenen Abwehrvariante, aber mehr, als dass sie über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner waren, der etwas unter Wert geschlagen wurde, blieb ihnen diesmal nicht.

 

Stimmen

HSC-Trainer Jan Gorr: „Positiv war die Emotionalität mit der die Mannschaft auf dem Feld stand. Dieser Funke ist auf die Zuschauer übergesprungen. Bei uns gab es gewisse Fragezeichen vor der Partie, wo wir wirklich stehen, aber bis auf wenige Augenblicke haben wir den Kopf oben behalten.“

Elbflorenz-Trainer Christian Pöhler: „Wir waren sicher nicht die sieben Tore schlechter. Aber wenn du in Coburg etwas reißen willst, musst du an die 100 Prozent Perfektion nahe herankommen. Wir haben nach gutem Beginn den Faden verloren und hatten dann auch in der Schlussphase nicht die richtigen Antworten um die Partie vielleicht doch noch zu drehen.“

HSC-Neuzugang Christoph Neuhold: „Einen schöneren Einstand kann man sich nicht vorstellen. Das war richtig super, hat richtig Spaß gemacht. Aufgrund der Ergebnisse gegen Dresden aus dem letzten Jahr waren wir gewarnt, haben es gemeinsam klasse gelöst. Ich hoffe, so spielen wir jedes Spiel.“

HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: „So haben wir uns das vorgestellt – gut in die Saison kommen, souverän agiert, eine tolle Leistung. Etwas Gedanken habe ich mir gemacht, als Dresden zehn Minuten vor dem Ende noch einmal herangekommen ist. Dann kamen wichtige Paraden von Jan Kulhanek, wir haben die Chancen wieder effektiver genutzt und dann war ich wieder beruhigt.“

 

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (22 Gegentore, 12 Paraden), Konstantin Poltrum (1 Gegentor, 0 Paraden), Fabian Apfel; Markus Hagelin, Maximilian Jaeger, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (4), Sebastian Weber (3), Anton Prakapenia (4), Florian Billek (10/5), Marcel Timm, Jakob Knauer, Pontus Zettermann (1), Tobias Varvne (2), Christoph Neuhold (6). Trainer: Jan Gorr.

HC Elbflorenz: Hendrik Halfmann (5 Gegentore, 1 Parade), Mario Huhnstock (25 Gegentore, 5 Paraden); Gabor Pulay (4/2), Tim-Philip Jurgeleit (1), Oskar Emanuel, Julius Dierberg (2), Nils Gugisch (4), Arseniy Buschmann, Gabriel de Santis (1), Norman Flödl (2), Nils Holger Kretschmer (1), Sebastian Greß (2), Adrian Kammlodt (3), Roman Becvar (2), Henning Quade (1). Trainer: Christian Pöhler.

SR: Maike Merz / Tanja Schilha

Spielfilm: 2:1 (3.), 3:3 (6.), 3:4 (7.), 5:5 (8.), 7:5 (10.), 10:6 (15.), 12:6 (18.), 15:10 (23.), 16:11 – 18:11 (35.), 19:15 (39.), 20:15 (40.), 22:18 (45.), 23:20 (49.), 26:22 (53.), 27:22 (55.), 30:23.

Zuschauer: 1.509 in der HUK Coburg arena

Siebenmeter: 5/6 (Billek scheitert an Halfmann) – 2/3 (Dierberg wirft neben das Tor)

Strafminuten: 4 (Neuhold, Hagelin) – 2 (Quade)

Beste Spieler: Neuhold, Billek – Becvar, Gugisch

Bericht von Ralph Bilek

Bild von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)