Handball-Bundesliga – HSC-Trainer Alois Mráz sieht ein Kampfspiel der Abwehrreihen und will „den Flow aus dem Stuttgart-Spiel nutzen“.

Sie waren in der abstiegsgefährdeten Zone die Gewinner am letzten Wochenende beim mehr als halbierten 17. Spieltag. Sowohl HBW Balingen-Weilstetten als auch der HSC 2000 Coburg überraschten mit deutlichen Auswärtserfolgen. Nun treffen sie im Kampf um wichtige Punkte gegen den Abstieg am heutigen Donnerstagabend (Anwurf um 19 Uhr) im direkten Vergleich aufeinander.

Auch wenn die Bilanz des HSC in der Sparkassen-Arena Balingen sehr dürftig ist, spannende Spiele waren es immer und auch diesmal ist ein offener Schlagabtausch zu erwarten. Bislang hatte Balingen stets das bessere Ende für sich, auch beim bislang einzigen Punktgewinn des HSC im März 2017 beim 24:24. Ein Sieg fehlt den Coburgern noch – das soll nachgeholt werden.

„Ein Leckerbissen ist bei den wohl bestimmenden Abwehrreihen sicher nicht zu erwarten, aber wir wollen auch dort die negative Serie brechen, wie es uns in Stuttgart gelungen ist“, mutmaßt Coburgs Coach Mráz, dass es eher zu einem Kampfspiel kommen wird, in dem die bessere Deckung den Ausschlag geben könnte. Dabei müssen die HSC-Angreifer auch an einem „alten Bekannten“ vorbei – Romas „Kiwi“ Kirveliavicius. Der Österreicher war schon in Coburg einer, der bedingungslos zupackt. Das hat sich in Balingen nicht geändert. In 16 Spielen hat er 25 Zeitstrafen und drei rote Karten kassiert. Damit führt er die Zeitstrafen-Statistik unangefochten vor Bagerstedt (Göppingen, 16/0) und Zeman (14/0) an. Zwischen ihm und dem tschechischen HSC-Kreisläufer sind interessante Duelle zu erwarten.

Im Balinger Angriff hat Mráz im linken Rückraum Lukas Saueressig auf der Rechnung, „der mit unheimlich viel Druck auf die Deckung kommt.“ Im Rückraum zieht der ehemalige Hüttenberger Björn Zintel, der in die Rolle von Martin Strobel hineinwachsen soll, die Fäden. Die Mannschaft von Coach Jens Bürkle scheint sich mit ihren vielen jungen Spielern und nach einigen Verletzungen wie von Zintel mit einem Daumenbruch im Oktober und dem Fußbruch von Marcel Niemeyer, der zusammen mit „Kiwi“ den Mittelblock bildet, besser gefunden zu haben. Umso diffiziler wird also die Aufgabe für den HSC. Doch Mráz will wie gegen Stuttgart die Wechsel von Angriff auf Abwehr beim Gegner nutzen und überhaupt: „Nach dem Erfolg herrscht eine super positive Stimmung. Wir wollen den Flow nutzen.“ Dazu gilt es die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen, abgezockt zu agieren wie über weite Strecken gegen Stuttgart. Hinten drin muss „Konsti“ Poltrum zusammen mit den Vorderleuten seinen Teil dazu beitragen. Dann steht dem dritten Saisonerfolg eigentlich nichts mehr im Wege. Wenn HBW-TW Mike Jensen nicht wieder so einen Sahnetag erwischt wie in Minden. Mit 15 Paraden und 45,45 Prozent gehaltene Bälle erreichte er den Spitzenwert des vergangenen Spieltags.

Wie wichtig ein weiterer Sieg der Coburger vor dem Franken-Derby am kommenden Donnerstag gegen den HC Erlangen wäre, zeigt auch der Blick auf die Tabelle. Noch liegt die Mannschaft von Alois Mráz auf dem letzten Platz. Aber mit einem Sieg könnten sie bis auf zwei Zähler an Balingen heranrücken, die derzeit den ersten Nichtabstiegsplatz belegen.

 

Die Akteure

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Poltrum, Apfel; Sproß, Kelm, Nenadic, Billek, Mustafic, Zettermann, Varvne, Schikora, Dettenthaler, Zeman, Grozdanic, Schröder, Neuhold. Trainer: Alois Mráz. (es fehlen: Kurch, Preller, Knauer, Nezhad)

HBW Balingen-Weilstetten: Ruminsky, Jensen, Bozic; Zobel, Lipovina, Kirveliavicius, Thomann, Nothdurft, Wiederstein, Gretarsson, Beciri, Schoch, Zintel, Scott, Saueressig, Heinzelmann. Trainer: Jens Bürkle.

Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Sascha Wild

 

Die Lage in der Liga

Während Balingen und Coburg punkten konnten, gingen TuSEM Essen und die Eulen Ludwigshafen leer aus. Dies ermöglicht dem HSC einen Sprung auf Platz 18 zu machen. Essen und Ludwigshafen müssten da natürlich „mitspielen“ dürften nicht punkten. Die „Eulen sind zu Gast beim TVB Stuttgart, die sicher ihre Scharte gegen den HSC auswetzen wollen, Essen empfängt die MT Melsungen, nach Minuspunkten die viertbeste Mannschaft in der Liga aber eben mit sieben Partien in Rückstand. Überhaupt liegt vor dem 18. Spieltag kein Team mehr im „Soll“.

Aus dem erweiterten abstiegsgefährdeten Feld steht der TSV GWD Minden, in zwei Wochen zum Nachholspiel zu Gast in Coburg, vor einer hohen Hürde. Beim SC Magdeburg werden die Punkte gegen GWD fest eingeplant, will man doch an den internationalen Plätzen dranbleiben und nicht ein viertes Mal in eigener Halle patzen. Um im oberen Mittelfeld zu bleiben plant auch Kai Wandschneider, scheidender Trainer der HSG Wetzlar, einen Sieg bei der HSG Nordhorn-Lingen ein. Das wäre auch im Sinne der Coburger, liegt Nordhorn auf Platz 17 in Reichweite.

 

Randnotizen

Heimsieg-Los – In der Liga gibt es nur zwei Mannschaften, denen in eigener Halle ein Erfolg in dieser Saison noch fehlt – Balingen und Coburg. Beide Teams brachten es lediglich auf ein Unentschieden. HBW knöpfte dem SC DHfK Leipzig beim 20:20 am achten Spieltag einen Zähler ab. Coburg, inzwischen mit zwei Auswärtssiegen, holte sich den einzigen Heimzähler am 15. Spieltag gegen die Eulen Ludwigshafen.

Aufreger – Die bislang einzige Erstligapartie in Balingen war aus Coburger Sicht ein Aufreger. Sie hatten Balingen klar im Griff, führten acht Minuten vor dem Ende mit drei Toren, ehe sich alles gegen den HSC verschwor. Keine Zeitstrafe gegen HBW nach rüdem Foul an Harmandic, der dafür im nächsten Angriff ein diskussionswürdiges Stürmerfoul kassierte, Zeitspiel-Anzeige nach zwölf Sekunden, Tor von Kelm bei Abwehr im Kreis zum Freiwurf zurückgepfiffen. Zum „krönenden“ Abschluss traf der 15fache Torschütze Yves Kunkel mit der Schlusssirene aus neun Metern an der linken Seitenlinie mit einem „Sonntagswurf“ zum Ausgleich.

Nachfolger – Vojvodina Novi Sad war nach dem Wechsel von Milos Grozdanic zum HSC auf der Suche nach einem Ersatz auf der linken Außenposition. Der serbische Abo-Meister hat ihn nun endlich gefunden. Von Ligakonkurrent Pancevo kommt mit Mladen Sotic der zweitbeste Werfer der Liga.

Top-Ten – Auf dem Weg dahin ist Tobias Varvne. Der schwedische Rückraumspieler, seit 2017 bei den Coburgern, liegt derzeit mit 415 Treffern auf Platz elf der ewigen Torschützenliste des HSC. Zu Platz zehn fehlen ihm noch 20 Treffer. Dort rangiert im Augenblick der langjährige Kreisläufer Kamil Piskac.

19.000 – Dieser Treffer könnte für die Coburger am Donnerstag fallen. Seit 2000 haben sie 18.973 Tore erzielt, 16.631 aus dem Feld, 2.342 vom Siebenmeterstrich. Dabei „jagt“ TW Konstantin Poltrum mit seinem Treffer in Stuttgart, dem zweiten im HSC-Trikot, zwei ehemalige Torleute, die jeweils drei Mal erfolgreich waren: Havard Martinsen und Stefan Apfel, allerdings in einer Zeit, als es den siebten Feldspieler so noch nicht gab.

 

Bericht von Ralph Bilek

Bild von Svenja Stache