2. Handball-Bundesliga – Nie gefährdeter Erfolg gegen Hüttenberg, lediglich die Chancenverwertung ließ phasenweise zu wünschen übrig. Dominic Kelm erneut reaktiviert.

Coburg – Schwankende Leistungen hatte der HSC 2000 Coburg in den letzten Wochen ja schon hinreichend abgeliefert, aber mit der Ausnahme in Nordhorn mehrmals den Kopf aus der Schlinge gezogen. So wie im Hinspiel beim TV Hüttenberg, als Konstantin Poltrum mit einem parierten Strafwurf den Sieg sicherte. Auch im Rückspiel konnte sich der Heimatverein von HSC-Trainer Jan Gorr dafür nicht revanchieren. Denn mit einer endlich wieder einmal über 60 Minuten grundsoliden Vorstellung, mit Abstrichen vieler leichtfertig vergebener Chancen, ließen die Coburger dem Erstligaabsteiger keine Chance und lagen nie in Rückstand.

Die Gäste mussten dabei auf Ragnar Johannsson im Rückraum verzichten, beim HSC fehlte neu Marcel Timm nach seinem Bänderriss beim U21-Nationalteam-Lehrgang, dafür war Anton Prakapenia wieder dabei. Gorr musste seinen Mittelblock also wieder einmal neu justieren und reaktivierte Dominic „Bobo“ Kelm, der so zu seinem 304. Einsatz kam.

Die Coburger waren schnell gut gut in der Partie, nutzten ihre Chancen und überstanden eine frühe erste Zeitstrafe gegen Prakapenia unbeschadet. In der Abwehr hatten sie die meisten Probleme mit Rückraumakteur Björn Zintl, der immer wieder Mario Fernandes am Kreis in Szene setzte. Beim HSC war es vor allem das Spiel über Max Jaeger auf der linken Außenposition, das gut funktionierte. Überhaupt bewiesen die Coburger große Übersicht, warteten auf die optimale Chance. Nach 12 Minuten nahm Gäste-Coach Kurtagic bei vier Toren Rückstand die Auszeit, behielt aber seine 3:2:1-Abwehrformation bei. Auf die zeigte sich Coburg sichtlich gut eingestellt, hatte bis dato auch eine hohe Wurfquote von 85 Prozent, agierte nahezu fehlerlos. Mit 80 Prozent waren die Gäste auch nicht viel schlechter, was für die hohe Effizienz beider Team sprach. Als sich danach erst Varvne, dann Sproß einfache Ballverluste leisteten und S. Weber frei am Kreis an N. Weber scheiterte, Florian Billek einen Wurf frei von außen an die Latte setzte, hatte Hüttenberg selbst mehrfach die Chance den direkten Anschluss zu erzielen, doch die HSC-Abwehr konnte die augenblickliche Angriffsschwäche kompensieren und sich wieder auf vier Tore absetzen. Denn Fernandes hatten sie nun besser im Griff. Gorr umschrieb diese Phase später so: „Beide Teams haben sich da mit einer Ineffektivität gegenseitig überboten.“

Danach scheiterte Billek mit einem Heberversuch beim Strafwurf an N. Weber im Hüttenberger Tor, machte es, erneut vom Strich, nur eine Minute später mit einem strammen Wurf dann deutlich besser. Patrick Weber, am Samstag mit „wehendem“ Haar anstatt einem Zopf, traf danach zielsicher und knallhart wie einst Pierre „Winnetou“ Brice mit seiner Silberbüchse. „Er macht richtig gute Fortschritte, gibt Impulse“, lobte Gorr den Winterneuzugang in der Pressekonferenz. Mit viel Glück, aber endlich auch einmal mit gesicherten Abprallern, was in den letzten Partien selten der Fall war, erhöhten die HSCler ihren Vorsprung auf fünf Tore. Trotzdem agierte Hüttenberg ruhig weiter, war aber schnell vor dem Tor, wenn sich die Gelegenheit bot. Lukas Wucherpfennig vergab anschließend frei von außen in HSC-Überzahl gleich zwei Mal in Serie, sonst hätte sich sein Team noch weiter absetzen können. So mussten sie erst einmal eine Strafzeit überstehen, während eine harte Attacke von Tobias Hahn gegen Anton Prakapenia ungeahndet blieb. Da der sogar auf dem Spielfeld behandelt werden musste, bedeutete das gleichzeitig eine Schutzsperre von drei Angriffen für den HSC-Halblinken, was der HSC gut wegsteckte.

Nur wenig später blieb TV-Kreisläufer Fernandes nach einem Kampf um den Ball im HSC-Wurfkreis liegen und musste mehrere Minuten behandelt werden, ehe er in die Kabine geführt werden konnte. Seinen Part am Kreis nahm Zörb ein, doch den Gästen lief bei einem Sechs-Tore-Rückstand 13 Minuten vor dem Abpfiff nun doch schon die Zeit davon. Die Coburger Abwehr stand weiter dauerhaft besser als in den vergangenen Partien, doch Sproß war der nächste, der, fast schon fahrlässig, eine weitere freie Chance vergab. Zehn Minuten vor dem Ende, zur von Gorr oft zitierten Crunch-Time, stellte dich damit die Frage, ob Hüttenberg das noch bestrafen würde. Im Hinspiel hatten sie einen Sechs-Tore-Rückstand in den Schlussminuten fast noch egalisiert. Aber mit zwei Treffern innerhalb von 20 Sekunden beantwortete Lukas Wucherpfennig diese Frage fast schon im Anschluss. Doch Hüttenberg probierte noch einmal alles. Erst nahmen sie den zentralen Rückraumspieler des HSC in Manndeckung, dann spielten sie eine komplett offene Manndeckung. So wurde es unerwartet noch einmal hektisch, Hüttenberg halbierte den Rückstand. Die letzten beiden Treffer setzte der HSC, was TV-Schlussmann Nikolai Weber missfiel. „Mensch was macht ihr denn“, war von seinen Lippen abzulesen, nachdem seine Vorderleute jetzt zwei Mal den Ball leichtfertig abgegeben hatten. Doch gegen den kompakten Auftritt der Coburger war kein Kraut gewachsen, auch weil Jan Kulhanek das Duell der TW-Oldies knapp für sich entscheiden konnte.

Stimmen:

HSC-Trainer Jan Gorr: „Die Partie hatte die erwartete Intensität. Wichtig war, dass wir Details und Kleinigkeiten für uns entscheiden konnten. Das war besonders in der Abwehr wichtig, wo wir die Angriffsbemühungen im Keim ersticken und uns absetzen konnten. Das war das Fundament für unser gutes Spiel.“

TV-Trainer Emir Kurtagic: „Am Coburger Erfolg gibt es nichts zu rütteln. Wir haben kein gutes Spiel gezeigt, waren nervös und unruhig, als ob wir unter Druck stehen würden. So konnten wir Coburg nicht wirklich herausfordern. Das muss bei uns in den nächsten Spielen wieder anders laufen.“

Statistik:

HSC 2000 Coburg – TV Hüttenberg  29:24 (15:12).

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (24 Gegentore, 16 Paraden), Konstantin Poltrum (0 Gegentore, 0 Paraden); Markus Hagelin, Maximilian Jaeger (4), Lukas Wucherpfennig (6/1), Felix Spross (2), Dominic Kelm, Sebastian Weber (2), Anton Prakapenia (4), Florian Billek (2/1), Jakob Knauer (2), Pontus Zettermann (2), Tobias Varvne (3), Patrick Weber (2). Trainer: Jan Gorr.

TV Hüttenberg: Nils Lorenz (1 Gegentor, 0 Paraden), Nikolai Weber (28 Gegentore, 15 Paraden); Tomas Sklenak (3), Simon Belter, Moritz Lambrecht (1), Daniel Wernig (3), Christian Rompf (1), Moritz Zörb (2), Mario Fernandes (4), Markus Stegefelt (7), Dieudonne Mubenzem, Tobias Hahn (2), Björn Zintl (1), Johannes Klein. Trainer: Emir Kurtagic.

SR: Hanspeter Brodbeck / Simon Reich

Spielfilm: 2:0 (3.), 3:2 (5.), 5:2 (7.), 5:4 (9.), 7:4 (10.), 9:5 (12.), 10:7 (15.), 12:9 (24.), 13:9 (25.), 13:11 (27.), 15:11 (29.), 15:12 – 16:12 (33.), 17:12 (34.), 18:14 (38.), 19:14 (41.), 20:15 (44.), 21:15 (45.), 22:16 (48.), 22:17 (50.), 25:18 (52.), 26:20 (55.), 26:22 (56.), 27:24 (59.), 29:24.

Zuschauer: 2.340

Siebenmeter: 2/4 (Billek und Wucherpfennig scheitern an N. Weber) – 0/0

Strafminuten: 8 (Prakapenia, S. Weber, Knauer, Jaeger) – 8 (Stegefelt, Rompf, Lamprecht, Zörb)

Beste Spieler: Jaeger, Prakapenia, Kulhanek – Stegefelt, Fernandes.

Bericht von Ralph Bilek

Bild von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)