Im Derby beim ThSV Eisenach und zwei Tage später gegen die HSG Konstanz wollen die Fans einen HSC voller Emotionen sehen.

Ungünstiger könnten die Voraussetzungen für den HSC 2000 Coburg vor dem zweiten Doppelspieltag der Saison nicht sein. Mit 4:6 Punkten aus den letzten fünf Spielen, drei sieglosen Auftritten in eigener Halle und mit einem halben Dutzend Verletzter braucht der HSC trotzdem vier Punkte aus den Spielen am Wochenende, warten doch zwei Teams aus dem punktgleichen Schlussquartett auf den Abstiegsplätzen. Am Freitagabend geht es zum ThSV Eisenach (Anwurf um 19.30 Uhr), am Sonntag um 17 Uhr empfängt das Team die HSG Konstanz. Eigentlich Pflichtaufgaben, aber alles andere als einfach.

„Wir brauchen uns über einfach oder nicht einfach im Moment nicht unterhalten. Wir haben genug mit uns selbst zu tun. Wir haben gezeigt, dass wir es können. Wir müssen es nur schaffen, dass wir Konstanz reinbekommen, mehr Sicherheit im Spiel drin ist, egal was der Gegner macht. Und das sind am Doppelspieltag wieder zwei, wo wir punkten müssen. Dafür werden wir alles tun.“ Spielführer Till Riehn, der sich seinen 150. Auftritt im HSC-Trikot vergangene Woche wohl ganz anders vorgestellt hatte, hat in der derzeitigen Situation auch kein Patentrezept. Ist das also heute Abend eine Partie der Enttäuschten?

Jan Gorr umschreibt es so: „Auf jeden Fall treffen zwei Teams aufeinander, die auf unterschiedliche Art mit dem aktuellen Saisonverlauf nicht zufrieden sind.“ Eisenach hat nach langer Durststrecke vergangene Woche gewonnen, will den ersten Heimsieg nachlegen. Geht es nach Gorr, soll sein Team an die Saarlouis-Leistung anknüpfen und wird sich für den Sonntag trotz der Verletztenmisere nicht schonen können. „In Eisenach wird von draußen viel Stress gemacht, die Werner Aßmann-Halle ist bekannt dafür. Deswegen müssen wir deutlich effektiver agieren.“ Doch auch dort geht der Satz vom „Selbstbedienungsladen“ um, insoweit starten Coburg und der ThSV mit gleichen Voraussetzungen.

Den „Selbstbedienungsladen“ HUK-COBURG arena will der HSC am Sonntag darauf gegen die HSG Konstanz schließen. Die Arena, in den letzten Spielen zu diesem geworden (letzter Heimsieg Ende September), hat ihren Schrecken verloren. Spätestens jetzt wissen die Gegner, da geht was. Das hat auch die HSG Konstanz wahrgenommen, die den Coburgern mit einer aggressiven 6:0-Deckung begegnen wird. „Im Angriff stechen Paul Kaletsch und Mathias Riedel hervor, ansonsten sind sie wegen ihrer kollektiven Teamausrichtung schwer auszurechnen“, weiß Gorr um die Probleme, die am Sonntag auf seine Mannschaft zukommen. Die hat, gerade aufgrund der hinzugekommenen Verletzung von Petr Linhart und damit einem halben Dutzend Ausfällen, wohl mehr mit sich selbst zu tun, wie Till Riehn festgestellt hat, muss aber in beiden Spielen die taktischen Finessen des Gegners im Blick haben. Und Konstanz stand in Coburg, nach Balingen und Bietigheim die dritte schwere Station in Serie, schon einmal kurz vor einem Erfolg. Im August 2015 mühten sich die Coburger in der ersten Pokalrunde zu einem 25:24 gegen den damaligen Drittligisten. Wichtig wird es für den HSC in beiden Spielen sein, sich komplett anders zu präsentieren wie am vergangenen Wochenende. Die Fans wollen ihr Team voller Emotionen sehen.

Die Akteure

HSC 2000 Coburg: Patryk Foluszny, Oliver Krechel; Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß, Dominic Kelm, Jakob Knauer, Sebastian Weber, Stefan Lex, Benedikt Kellner, Florian Billek, Till Riehn, Marko Neloski, Tobias Varvne, Romas Kirveliavicius. Trainer: Jan Gorr.

ThSV Eisenach: Stanislaw Gorobtschuk, Jan Steffen Redwitz; Hannes Iffert, Adrian Wöhler, Ibai Meoki-Etxebeste, Daniel Luther, Matthias Gerlich, Duje Miljak, Marcel Schliedermann, Jonas Richardt, Noah Streckhardt, Marcel Popa, Justin Mürköster, Marcel Niemeyer, Willy Weyhrauch, Alexander Saul. Trainer: Christoph Jauernik.

SR: Thomas Kern / Thorsten Kuschel

HSG Konstanz: Konstantin Poltrum, Stefan Hanemann; Fabian Schlaich, Benjamin Schweda, Mathias Riedel, Tom Wolf, Paul Kaletsch, Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann, Felix Gässler, Tim Jud, Chris Berchtenbreiter, Maximilian Schwarz, Sebastian Bosing, Felix Klingler. Trainer: Daniel Eblen.

SR: Oliver Dauben / David Rohmer

Die Lage in der Liga

Die Spieltage zwölf und 13 stehen als zweiter Doppelspieltag auf dem Programm. Dabei „droht“ dem HSC ein Abrutschen in die untere Tabellenhälfte. Denn an den Coburgern auf Platz zehn ist bereits der seit acht Spielen ungeschlagene Dessau-Roßlauer HV (14:2 Punkte) vorbeigezogen. Doch Coach Uwe Jungandreas, er führte Delitzsch 2005 in die erste Liga, warnt vor den Partien bei Eintracht Hildesheim und gegen den ASV Hamm-Westfalen davor, übermütig zu werden.

Auch einige Spitzenduelle werden ausgetragen. Gleich zwei haben die DJK Rimpar Wölfe vor sich. Erst geht es in eigener Halle gegen HBW Balingen-Weilstetten, dann steht das Gastspiel bei der SG BBM Bietigheim an. Auch die Duelle zwischen der HSG Nordhorn-Lingen, in eigener Halle noch ohne Verlustpunkt, und dem VfL Lübeck-Schwartau sowie zwischen dem komplett verlustpunktfreien Spitzenreiter Bergischer HC und dem TV Emsdetten sind in diese Kategorie zu zählen.

Spruch der Woche

  „Wir haben genug mit uns selbst zu tun.“ (Coburgs Spielführer Till Riehn)

Notizen am Rande

Leistungscoach – Der ThSV Eisenach hat sich externe Hilfe von einem Leistungscoach geholt, das hat der Verein auch in Krisenzeiten in der ersten Liga so gehandhabt. Sebastian Fleck-Rosenkranz aus Wetzlar ist sonst vielfach in wirtschaftlichen Unternehmen tätig, hat Erfahrungswerte im erfolgreichen Lösen von Krisensituationen. Er unterstützt Trainer Christoph Jauernik und seine Mannschaft.

Wiedersehen – Fast schon traditionell gibt es im thüringisch-fränkischen Derby ein Wiedersehen mit alten Bekannten. War es früher Ronny Göhl, stehen diesmal Till Riehn und Matthias Gerlich im Fokus. Gerlich hat 76 Spiele für die Coburger absolviert und war dabei 393 Mal erfolgreich, davon 163 Mal vom Siebenmeterstrich. Für Eisenach erzielte er vergangene Saison 180 Tore aus dem Feld und traf 31 Mal vom „Strich“. Er trifft jetzt erstmalig auf seine ehemaligen Coburger Teamkollegen.

WM-Fahrer – Stefan Hanemann, Torhüter der HSG Konstanz, stand im Juli dieses Jahres in der U21-Auswahl des Deutschen Handballbundes. Die hatte bei der WM in Algerien Edelmetall vor Augen, musste sich im Spiel um Platz Drei Frankreich knapp mit 22:23 geschlagen geben.

Trainerwechsel – Vor zwei Wochen stand er noch an der Seitenlinie gegen den HSC 2000 Coburg, nun ist Jörg Bohrmann, Trainer der HG Saarlouis, von seinen Aufgaben entbunden worden. Grund war nach dem 18:26 gegen die Coburger die 19:29-Niederlage in Essen.

Zeitstrafen – Unter einem Aspekt ist das Derby zwischen Eisenach und Coburg das Duell Spitzenreiter gegen Schlusslicht. Die Thüringer haben in elf Spielen 53 Zeitstrafen kassiert und führen das Ranking vor TUSEM Essen an. Die HSCler sind in dieser Bilanz abgeschlagenes Ligaschlusslicht, für sie stehen nur 21 Zeitstrafen zu Buche. Kurios dabei ist, dass der ThSV und der HSC neben Bietigheim die beiden einzigen Teams sind, die bislang noch keine rote Karte gesehen haben.

Bericht von Ralph Bilek (Coburger Tageblatt)
Bilder von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)