Nach einem 10:11-Halbzeitrückstand steigert sich das Team von Jan Gorr nach der Pause. Neuzugang Andreas Schröder wird zum Wegbereiter für den Sieg.

„Nach der Pause hat mein Team die Ärmel hochgekrempelt um die Ungenauigkeit im Positionsangriff zu kompensieren.“ Der Trainer des HSC 2000 Coburg, Jan Gorr, brachte so den doch recht mühevollen 26:22-Auftakterfolg der Saison 2019/2020 auf den Punkt. Und es bleibt dabei – Emsdetten bleibt „Lieblingsgegner“ der Coburger. Denn bei neun Vergleichen gab es lediglich ein Remis, sonst nur Siege. Zu verdanken war der diesmalige Erolg einer soliden Abwehr nach der Pause und einer hohen Effektivität von Jaeger (83 %), Billek (90 %) und Andreas Schröder (70 %). Dem Neuzugang gelang vor der Pause schon ein Hattrick vom 7:7 zum 9:7, den er zum „Viererpack“ ausbaute.

Gegen die kompakt stehende TVE-Abwehr tat sich der HSC-Angriff über die gesamte Spielzeit sehr schwer, Wesseling und Dräger machten die Mitte dicht, wenn nötig auch mit „Reißtests“ der HSC-Trikots. Doch nach der Pause ließen die sehr diszipliniert agierenden Mannen von Trainer Daniel Kubes die Effektivität vor dem gegnerischen Tor vermissen, HSC-TW Jan Kulhanek zog ihnen mit 17 Paraden den Zahn. Coburgs Trainer Jan Gorr sagte schon vor dem Spiel: „Ihr System hat sich nicht groß geändert, aber ich erwarte, dass Emsdetten nun schwerer auszurechnen ist.“ Von der Gesamtkonstellation lagen die Vorteile somit bei den Gastgebern. Das brachte Mannschaftskapitän Sebastian Weber auf den Punkt, vor der Partie gefragt, was er von der Partie erwartet: „Einen Heimsieg, eine Menge Spaß und ein tolles Publikum.“

Gleich im ersten Angriff ließ sich Holzner von Billek den Ball abnehmen. Der zog im Doppelpass mit Zetterman auf und davon, konnte nur auf Kosten eines Strafwurfes gebremst werden, den er sicher zum ersten Saisontreffer verwandelte. Für Coburg etwas überraschend hatte Trainer Jan Gorr auf der Mittelposition zunächst Felix Spross den Vorzug gegeben. Dadurch war mächtig Dampf im Rückraum. Zwar langten die Gäste da schon mächtig dazwischen, hatten demzufolge nach zehn Minuten bereits zwei Zeitstrafen auf dem Konto. Aber Coburg machte daraus zu wenig, erspielte sich zwar Chancen, brachte die aber nicht ins Netz. Das nutzte die Mannschaft von Daniel Kubes eiskalt aus, machte in Unterzahl zwei Treffer ohne einen zu kassieren. Jan Gorr hatte demnach nach zwölf Minuten genug gesehen, rief zur Auszeit.

Sein Gegenüber konnte mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein, präsentierte sie sich hellwach und diszipliniert. Lieber spielten sie sich in ein Zeitspiel hinein, hatten damit zudem nicht selten Erfolg. Das Glück des Tüchtigen kam auch noch hinzu, als Zetterman auf den Weg zur ersten HSC-Führung nach der Anfangsphase den Ball verlor und der Gegenkonter das 6:7 brachte.

Ein „Dreierpack“ von HSC-Neuzugang Andreas Schröder per Konter nach nicht erfolgreichen TVE-Abschlüssen folgte und somit doch wieder eine Coburger Führung. Kubes Mimik sprach jetzt Bände, hatte er in einer eigenen Auszeit kurz davor scheinbar gewarnt, konzentriert zu bleiben. Doch erneut stahl sich Schröder einen Ball und zog zum 10:8 davon. Das Spiel beider Mannschaften blieb auch in der Folge alles andere als fehlerfrei. Auf Coburger Seite verlor Neuhold den Ball, Holzner scheiterte im Gegenstoß an Kulhanek – also es gab durchaus Verbesserungsbedarf auf beiden Seiten. Für ein Saisonauftaktspiel nicht unüblich. Das bessere Ende vor der Pause hatte dann Emsdetten für sich, die ihre kleinen Schwächephase mit einigen Ballverlusten überwunden hatten, wieder konzentrierter agierten. Der Lohn war die 11:10-Pausenführung per Strafwurf.

Nach dem Wechsel ging es erst eng weiter, Wesseling traf ins Tordreieck, aber Coburg konterte jetzt erfolgreich, zog drei Tore weg. Jetzt stand das Coburger Publikum, angeheizt von Paraden von Kulhanek und von einer harten Stürmerfoulentscheidung gegen Varvne, die eine rote Karte gegen den TVE-Abwehrspieler nach sich hätte ziehen müssen, so richtig hinter seinem Team. Da ließ sich auch Florian Billek auf der Rechtaußenposition nicht lange bitten. Ein kurzer Blick auf die gegenüberliegende Halbposition zu Andreas Schröder und schon zappelte der Ball per Kempa zum 18:14 im Emsdettener Tor. Die hatten nun im Vergleich zum ersten Durchgang ihre Ordnung und Effektivität verloren, blieben aber bei ihrer disziplinierten Spielweise.

Nach fast genau 47 Minuten war die Partie für Jan Mojzis beendet. Nach einer wiederholten Attacke gegen den Wurfarm von Varvne zückten die SR diesmal die rote Karte. Coburg verwaltete in den Schlussminuten seinen erreichten Vorsprung ohne das die Gäste nochmals gefährlich wurden – für die Schlussphase war das jetzt fast zu diszipliniert was sie spielten. So hatte HSC-Kapitän Weber seinen gewünschten Heimsieg, eine Menge Spaß und ein tolles Publikum auch. Und Daniel Kubes war nach dem Spiel bewusst, dass sein Team Coburg viel mehr noch hätte in die Bredouille bringen können.

Stimmen

HSC-Trainer Jan Gorr: „Die Abwehr mit einem bestens aufgelegten Jan Kulhanek dahinter hat einen großen Teil zum Sieg beigetragen. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben einen erfolgreichen Start hinzulegen. Obwohl der Start ins Spiel erst in Ordnung war, aber dann lassen wir zwei freie Bälle liegen, die uns mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein hätten bringen können. Nach der Pause haben wir viel mehr Konsequenz in unsere Aktionen gelegt.“

TVE-Trainer Daniel Kubes: „Ein bisschen fehlen mir schon die Worte und ich muss mich erst einmal sammeln. Meine Mannschaft hat es nicht schlecht gemacht, sich insgesamt gut präsentiert. Aber nach der Pause hat es sich gezeigt, dass wir uns noch steigern müssen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt. Denn leider hatten wir Phasen, in denen wir es Coburg viel zu leicht gemacht haben. Dadurch konnten sie davonziehen. In der Schlussphase habe ich überlegt, vielleicht doch noch etwas taktisch zu ändern, das mache ich dann vielleicht in den nächsten Spielen.“

Statistik

HSC 2000 Coburg – TV Emsdetten 26:22 (10:11)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (17 Gegentore, 17 Paraden), Konstantin Poltrum (5 Gegentore, 1 Parade); Maximilian Jaeger (5), Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (1), Sebastian Weber (2), Florian Billek (9/5), Marcel Timm, Pontus Zetterman (1), Girts Lilienfelds, Tobias Varvne, Stepan Zeman (1), Andreas Schröder (7), Christoph Neuhold. Trainer: Jan Gorr.

TV Emsdetten: Maurice Paske (2 Gegentore, 0 Paraden), Konstantin Madert (24 Gegentore, 10 Paraden); Tim Weischer, Sören Kress (1), Yannick Terhaer (2), Karl Toom (1), Paul Kolk (1), Marcel Schliedermann (1), Johannes Wasielewski (4), Yannick Dräger (3), Dirk Holzner (6/3), Jorn Smits, Sven Wesseling (3), Jan Mojzis. Trainer: Daniel Kubes.

SR: Markus Kauth / Andre Kolb

Spielfilm: 2:0 (2.), 2:2 (7.), 3:3 (10.), 3:5 (12.), 4:5 (15.), 6:6 (17.), 7:7 (21.), 9:7 (23.), 10:8 (25.), 10:11 – 12:12 (33.), 13:12 (35.), 15:12 (36.), 17:13 (39.), 19:14 (43.), 19:16 (46.), 20:16 (47.), 23:18 (51.), 25:19 (56.), 26:20 (57.), 26:22.

Zuschauer: 1.634

Siebenmeter: 5/5 – 3/3

Strafminuten: 2 (Jaeger) – 6 (Dräger, Wasielewski, Kress) – rote Karte gegen Mojzis (46:56)

Beste Spieler: Schröder, Jaeger, Billek, Kulhanek – Kress, Wasielewski, Holzner.

Bericht von Ralph Bilek

Bild von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)