Coburg und Spitzenreiter HBW Balingen-Weilstetten liefern sich vor 3002 Zuschauern einen offenen Schlagabtausch.

Der HSC 2000 Coburg und HBW Balingen-Weilstetten lieferten sich gestern Abend ein spannendes, dramatisches Spitzenspiel, das mit dem 28:28 keinen Sieger fand. Damit bleibt das Aufstiegsrennen offen.

Es war Balingens erster Punktgewinn in der HUK-Coburg arena. Beide Teams mussten dabei auf ihre etatmäßigen Spielgestalter, Martin Strobel und Tobias Varvne, verzichten.

Etwas überraschend begann Jan Gorr mit Konstantin Poltrum im Tor, auf der anderen Seite bildeten Niemeyer und der Ex-HSCler „Kiwi“ den Mittelblock. Den versuchte der HSC gleich mit einem Kempa-Trick zu überwinden, doch das hatte die HBW-Abwehr irgendwie gerochen, fing das Anspiel ab.

Der Gegenzug brachte ausgerechnet gleich durch Kirveliavicius den ersten Treffer der Partie. An drei der vier Anfangstreffer war der österreichische Nationalspieler beteiligt, und einmal mehr lief der HSC anfänglichem Rückstand hinterher. Es war ein offener Schlagabtausch, mit hohem Tempo und viel Spielübersicht beider Mannschaften.

Kapitän Weber zeigt seine Klasse

Als die ersten Bälle dann eine Beute von Poltrum im HSC-Tor wurden, kam dessen Team nicht nur zum Ausgleich, sondern nach gut zehn Minuten zur ersten Führung. Hauptakteur dabei war Coburgs Kapitän Sebastian Weber, toll von seinen Vorderleuten am Kreis in Szene gesetzt. Da blieb Niemeyer und Co. mehrmals nur der Blick hinterher. Danach wurde Weber mehrmals sogar von einem Quartett verteidigt, sein Trikot mehreren Belastungstests unterzogen.

Auf der anderen Seite ließ Balingen durch Niemeyer frei am Kreis eine große Chance liegen, was den HSC erst mit zwei, dann mit drei Toren nach vorne brachte. Immer wieder war es die Achse Weber-Prakapenia, die der HBW nicht in den Griff bekam. Während der ersten Zeitstrafe war allerdings Schoch zur Stelle, brachte sein Team schritteverdächtig heran.

30 Tore nach 25 Minuten

Balingen war zur Stelle, egalisierte die jetzt härter werdende Partie. Die sehr torreich war – 30 Tore standen nach 25 Minuten zu Buche. Gerne hätte Florian Billek zu diesem Zeitpunkt einen langen Ball von Poltrum zum Konter gehabt, so wie auf der anderen Seite Niemeyer den Pass von la Pena, doch da ging Marcel Timm dazwischen.

Überragend war die Trefferquote der Coburger kurz vor dem Pausenpfiff – 90 Prozent ihrer Würfe fanden den Weg ins gegnerische Tor. Trotzdem ging es mit einem Remis in die Pause, weil auch der HBW im Abschluss ziemlich konsequent war. Etwas überraschend waren die drei Zeitstrafen für den HSC, der mit Abstand fairsten Mannschaft der Liga, zum Seitenwechsel.

Als ein Fußspiel nicht geahndet wurde, lag der Gastgeber erneut mit zwei Treffern in Rückstand, Balingen traf ins durch die Zeitstrafe leere HSC-Tor und setzte den Gegner so wieder unter Zugzwang. Nach der nächsten diskussionswürdigen Entscheidung musste die Spielaufsicht Jan Gorr auf der Bank beruhigen. Auf Gäste-Seite machte sich der Wechsel von Tomas Mrvka für Bozic im Tor bezahlt. Erst gegen Billek, dann gegen Zettermann, dann gegen Prakapenia parierte er Würfe.

Poltrum mit starken Paraden

Weil auch Poltrum auf der anderen Seite Bälle zu fassen bekam, blieb Balingen zwar vorne, Coburg aber auf Tuchfühlung. Im Gegensatz zum ersten Durchgang verschleppte der HBW im Angriff die Partie, spielte seine Angriff länger aus, Tore waren Mangelware. Damit schienen sie bis Mitte der zweiten Halbzeit das richtige Rezept gefunden zu haben.

Coburg schaffte den Ausgleich nicht, hatte dabei aber mit einem Pfostenkracher von Sproß Pech. Als „Kiwi“ danach in eigener Überzahl zum Leidwesen von la Pena doch einmal zu überhastet abschloss, verlor der HSC auf dem Weg zum möglichen Remis den Ball. Den stellte zehn Minuten vor dem Abpfiff Billek her.

Mehr wurde es nicht, das lag an der klar nach unten gegangenen Wurfquote dank Mrkva im HBW-Tor. Was folgte war ein Fehlpass zum Konterversuch von Prakapenia – der Ausgleich war einmal mehr in weiter Ferne. Doch auch der HBW spielte zu riskant, Jens Bürkle raufte sich an der Seitenlinie die Haare.

Ausgleich durch Prakapenia

Der Ausgleich fiel dann doch durch Prakapenia. Der kam danach aber krumm auf, musste an der Wade behandelt werden. Dafür nagelte Patrick Weber zwei Bälle ins gegnerische Netz, trotzdem lief den Gastgebern die Zeit davon. 70 Sekunden vor dem Abpfiff lagen sie ein Tor in Rückstand. Gorr rief sein Team an die Seitenlinie.

Doch als Sproß einmal mehr rüde ohne Bestrafung außer Freiwurf gebremst wurde, kurz danach Zeitspiel angezeigt wurde, bedurfte es des dritten „Geschosses“ von Patrick Weber. Balingen blieben noch 15 Sekunden und ein finaler Wurf von „Kiwi“, der nichts einbrachte. Das Ende – ein leistungsgerechtes Remis, das Balingen aber mehr nützt als den Coburgern.

Statistik:

HSC 2000 Coburg gegen Balingen/W. 28:28 (17:17)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum – Markus Hagelin, Maximilian Jaeger (3), Lukas Wucherpfennig, Felix Spross (1), Sebastian Weber (6), Anton Prakapenia (6), Florian Billek (6/5), Marcel Timm (1), Jakob Knauer (1), Pontus Zettermann, Patrick Weber (4), Christoph Neuhold (n.e.). – Trainer: Jan Gorr.

HBW Balingen-Weilstetten: Vladimir Bozic, Tomas Mrkva – Rene Zobel (3), Marcel Niemeyer (3), Romas Kirveliavicius (3), Matthias Flohr (1), Jannik Hausmann (1), Gregor Thomann, Lars Friedrich (3), Tim Nothdurft, Benjamin Meschke, Oddur Gretarsson (8/4), Juan de la Pena Morales (2), Jona Schoch (4), Diogo Oliveira, Lukas Saueressig. – Trainer: Jens Bürkle.

SR: Colin Hartmann und Stefan Schneider.

Spielfilm: 1:3 (3.), 1:4 (5.), 2:5 (6.), 3:5 (7.), 4:5 (8.), 5:6 (9.), 6:6 (10.), 7:6 (11.), 9:8 (13.), 10:8 (15.), 11:9 (18.), 12:9 (19.), 14:12 (22.), 14:14 (24.), 16:15 (27.), 17:17 – 17:18 (31.), 18:20 (33.), 19:21 (36.), 20:22 (40.), 21:22 (42.), 21:23 (46.), 23:23 (50.), 24:25 (53.), 25:25 (55.), 26:26 (57.), 26:27 (58.), 28:28.

Zuschauer: 3002.

Siebenmeter: 5/5 – 4/4.

Strafminuten: 8 (Prakapenia, Hagelin, Timm 2) – 6 (Schoch 4, Meschke)

Beste Spieler: Weber, Prakapenia – Schoch, Gretarsson.

Stimmen zum Schlagerspiel:

HSC-Trainer Jan Gorr: „Auch wenn es in der Partie keinen Sieger gab, Sieger waren die Zuschauer. Die haben ein qualitativ, auch handballerisch sehr gutes Top-Spiel über 60 Minuten gesehen.“ HBW-Trainer-Trainer Jens Bürkle: „Es war wie immer hier, hochgradig emotional, tolle Kulisse. Ich bin mit dem Punkt zufrieden.“ HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: „Es ist für uns eine gefühlte Niederlage, weil der Abstand nach vorne nicht kleiner geworden ist, aber es war eine tolle Partie von beiden.“ HSC-Rechtsaußen Florian Billek: „Wir waren nach unserem Hamburg-Spiel in der Bringschuld und haben alles rausgehauen, wollten unsere letzte Chance nutzen.“

Bericht von Ralph Bilek

Bild von Henning Rosenbusch