HSC I: Nach eins und drei kommt zwei

Der HSC 2000 Coburg muss zum Re-Start nach der EM-Pause heute Abend beim Tabellenzweiten Bietigheim antreten.

Bietigheim/Coburg – Die Nummer eins und drei der Liga hatte der HSC 2000 Coburg (6. Platz 24:16 Punkte) vor der WM-Pause, mit der SG BBM Bietigheim folgt die Nummer zwei (31:9 Punkte) gleich danach (Anwurf in der EgeTrans Arena ist um 19.30 Uhr).

Noch am Neujahrsempfang des HSC Mitte Januar gab Coach Jan Gorr seiner Hoffnung Ausdruck, dass „es meine Vorstellung ist, Ende Januar das Team wieder komplett zu haben.“ Denkste – mit dem Kreuzbandriss von Petr Linhardt musste Gorr zum wiederholten Male in den letzten 18 Monaten die Hoffnung auf einen vollzähligen Kader ad acta legen. „Wir werden das jetzt gemeinsam kompensieren und unserem Perspektivspieler Jakob Knauer Spielerfahrungen geben.“ Erfahrung ist auch beim heutigen Gegner das große Schlagwort. „Die Bietigheimer verfügen über ein ausgeglichenes Team, das einen schnellen Ball spielt“, so Gorr. Als eine der großen Stärken hat der Coburger Trainer, „auch ihre über die bisherige Halbserie gute, konstante Spielweise“ ausgemacht und vor allem profitiert das Team davon, „mit einem gesunden Selbstbewusstsein frisch und frei von der Leber weg positiv unterwegs zu sein“. Ein Team also, dass zurecht auf dem zweiten Aufstiegsplatz steht.

Doch der Trainer der SG BBM, Hartmut Mayerhofer, schränkt das auch ein bisschen ein: „Der zweite Tabellenplatz ist nur eine Momentaufnahme. Das möchte ich nicht überbewerten. An einen möglichen Aufstieg denken wir jetzt noch nicht, das wäre der falsche Ansatz. Wichtig ist immer das nächste Spiel. Dann sehen wir in fünf Monaten wer diesen zweiten Platz belegt.“ Trotzdem will sich sein Team für die Hinspielniederlage revanchieren.

Der Coburger Trainer, der möglicherweise auf Till Riehn wegen muskulärer Probleme verzichten muss, hat sein Training den nun kommenden vielen Freitags-Aufgaben etwas angepasst. Seine Mannschaft geht mit der Ambition in die Auftakt-Partie 2018, in Bietigheim etwas zu reißen. „Auch wenn man das nicht unbedingt erwarten kann“, wie der Coburger Trainer ausführt. Bislang hat die SG lediglich ihre Heimpartie gegen den Liga-Primus Bergischer HC verloren. Gorr rechnet mit einer Partie, in der beide Mannschaften mit offenem Visier agieren und sein Team auch die individuelle Klasse in die Waagschale werfen muss. Im Hinspiel waren Tobias Varvne und Florian Billek mit je zehn Toren zweistellig erfolgreich und haben einen großen Anteil zum Hinspiel-Sieg beigetragen.

Die Akteure

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel; Philipp Barsties, Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß, Dominic Kelm, Sebastian Weber, Stefan Lex, Benedikt Kellner, Florian Billek, Till Riehn (?), Marko Neloski, Jakob Knauer, Tobias Varvne, Romas Kirveliavicius. Trainer: Jan Gorr.

SG BBM Bietigheim: Domenico Ebner, Jürgen Müller; Robin Haller, Patrick Rentschler, Dominik Claus, Panagiotis Erifopoulos, Christian Schäfer, Valentin Schmidt, Gerdas Babarskas, Felix König, Paco Barthe, Jan Asmuth, Jan Doll, Max Emanuel, Martin Marcec. Trainer: Hartmut Mayerhoffer.

SR: Peter Behrens / Marc Fasthoff

Die Lage in der Liga

Mit dem zweiten Spieltag der Rückrunde, die bis zum 2. Juni dauert, starten die Teams der 2. Handball-Bundesliga ins Jahr 2018. Ungefährdet scheint der Bergische HC gegen den auf einem Abstiegsplatz liegenden Aufsteiger Eintracht Hildesheim, nicht nur wegen der zwölf Punkte Abstand auf einen Nichtaufstiegsplatz. Da HBW Balingen-Weilstetten bereits am Mittwochabend aktiv war und mit einem 33:37 gegen Aufsteiger VfL Eintracht Hagen gleich zum Wiederauftakt einen herben Rückschlag im Kampf um den direkten Wiederaufstieg hinnehmen musste, und Coburg am heutigen Abend, können sich beide zurücklehnen und die restlichen Teams vom Neunerfeld, das sich noch Hoffnungen auf den zweiten Aufstiegsplatz machen kann, beobachten. Aus dem Kreis dieser Mannschaften kommt es zum Direktduell zwischen dem TV Emsdetten auf Platz zehn (22:18 Punkte) und dem Dessau-Roßlauer HV (24:16) auf Rang acht. Ansonsten gehen sich die Teams aus dem Weg, sollten sich aber keine Patzer erlauben.

Dabei wartet nur auf den ASV Hamm-Westfalen (27:13 Punkte, beim EHV Aue) eine traditionell eigentlich schwere Auswärtsaufgabe. Doch die Erzgebirgler liegen nicht zuletzt wegen ihrer unerwarteten Heimschwäche nahe an den Abstiegsplätzen. Mit Hamm punktgleich will die DJK Rimpar Wölfe einen möglichen Ausrutscher der Westfalen nutzen um mit einem Sieg gegen den Tabellenvorletzten HG Saarlouis vorbeizuziehen. Ungefährdet scheinen aus dem Neunerfeld der VfL Lübeck-Schwartau und die HSG Nordhorn-Lingen, die sich in eigener Halle erst einmal geschlagen geben mussten. Lübeck erwartet TUSEM Essen, Nordhorn den ThSV Eisenach, der in der Fremde nur am allerersten Spieltag in Aue siegreich war.

So sieht es der Gegner

Beim Gespräch vor dem Hinspiel hatte der Trainer der SG BBM Bietigheim, Hartmut Mayerhoffer, zwei der drei Erstliga-Absteiger auf die ersten beiden Plätze gesetzt und begründet die Platzierung seiner Mannschaft jetzt so: „Neben dem BHC sind wir das konstanteste Team der Liga. Mit dazu beigetragen hat natürlich, dass wir von größeren Verletzungen verschont geblieben sind. Das und die fehlende Konstanz ist der Grund, warum Coburg und Balingen nicht da stehen, wo ich sie erwartet habe. Aber sie bleiben heißester Mitanwärter auf den Aufstieg. Es ist nahezu noch die komplette Rückrunde zu spielen. Da kann noch viel passieren.“ Nun soll sich sein Team erst einmal für die Hinspiel-Niederlage revanchieren: „Da müssen wir besser als im Hinspiel agieren, wo Coburg sehr stark war. Ich zähle den HSC weiterhin zu den Top-Teams in der Liga und gerade im Hinspiel war ich mit der Leistung meiner Mannschaft nicht zufrieden. Ich habe ihr gezeigt, was wir diesmal besser machen müssen.“

Mayerhoffer überbewertet den derzeitigen Tabellenplatz nicht: „Wir hatten in der Hinrunde viele enge Spiele für uns entschieden. Deswegen ist es auch nicht planbar, auf diesem zweiten Platz zu bleiben. Dazu ist die Leistungsdichte zu eng und viele Teams, die noch um den Aufstieg mitmischen, zu stark. Mayerhoffer zählt sein Team und auch die Coburger zu den Mannschaften, die bis zum Ende ihre Aufstiegschance wahren können. „Das ist die Zielsetzung und beide Teams haben neben vielen anderen das Potenzial dazu. Es geht aber eng zu und wenn du konstant ein paar Spiele gewinnst, stehst du eben auf Platz zwei. Hast du Ausreißer nach unten, sind so viele Teams da, die einen überholen.“

Spruch der Woche

„Der zweite Tabellenplatz ist nur eine Momentaufnahme. Das möchte ich nicht überbewerten.“ (Hartmut Mayerhoffer, Trainer der SG BBM Bietigheim)

Notizen am Rande

Hochburg – Bietigheim bezeichnet sich als Handball-Hochburg, so zumindest auf dem Saisonplakat. Das sicher nicht zu Unrecht. Denn während das Männer-Team nach 2014 wieder ans Tor zur DKB-Handball-Bundesliga anklopft, sind die Frauen bereits viel weiter. Denn die sind amtierender Deutscher Meister.

Abschiedstour – SG-BBM-Trainer Hartmut Mayerhoffer wird nach fünf Jahren für eine neue Herausforderung den Verein verlassen. In seinem ersten Trainerjahr in Bietigheim führte der vom TSV Friedberg gekommene Augsburger sein Team in die erste Liga. Mit Ralf Bader vom Drittligisten TV Neuhausen/Filder steht sein Nachfolger bereits fest.

Beirat – Der ehemalige Präsident des Deutschen Handballbundes, Bernhard Bauer, ist neues Beiratsmitglied beim Zweitligisten aus Bietigheim. Er soll seine langjährige Erfahrung vor allem im organisatorischen Bereich einbringen. Ist er in der Halle, ist das für den HSC bislang ein schlechtes Omen gewesen, wie in der vergangenen Saison bei den Gastspielen in Göppingen und Balingen.

Bericht von Ralph Bilek

Bilder von Henning Rosenbusch (http://henning-rosenbusch.de/)