Coburger Torwart brachte Balingens Werfer zur Verzweiflung. Balingen kam nie richtig ins Spiel. 

Der HSC 2000 Coburg hat gegen den verlustpunktfreien Mitabsteiger HBW Balingen-Weilstetten ein erstes dickes Ausrufezeichen gesetzt. Der 32:25-Erfolg war auch in der Höhe völlig verdient und hatte einen „Vater“: Coburgs Torwart Jan Kulhanek erwischte einen „Sahne-Tag“ und wartete mit einer sensationellen Leistung auf. Wermutstropfen ist jedoch die Verletzung von Felix Sproß, die noch diagnostiziert werden muss, aber nach einer Bänderverletzung aussah. Er war umgeknickt.  

HSC 2000 Coburg – HBW Balingen Weilstetten 32:25 (13:7)

Um allen Unwägbarkeiten bei der Anfahrt an einem verkehrstechnisch schwierigen Freitag aus dem Weg zu gehen war Balingen bereits am Donnerstag nach Coburg angereist. „Wir haben trotzdem fünf Stunden gebraucht, Stau Tübingen, Stau Stuttgart, das ist schon ein Problem“, so Runar Sigtrygsson, der aber mit seiner Mannschaft gut daran getan hat, einen Tag früher anzureisen. „Heute hätten wir über sechs Stunden gebraucht.“ Und das Florian Billek bei seinem alten Verein noch präsent ist zeigte die Tatsache, dass Balinger Fans mit „seinem“ Trikot in der Arena waren und gemeinsame Foto mit dem HSC-Rechtsaußen gemacht wurden.Genauso präsent war der Führende der Liga-Torschützenliste dann auf dem Spielfeld, aber mehr lief bei den Coburgern zunächst über die linke Seite. Einige Fehlversuche auf beiden Seiten prägten die Anfangsminuten dieses Duells der Erstligaabsteiger. Bei Balingen zog Martin Strobel die Fäden, beim HSC war Stefan Lex der auffälligste Akteur in der Anfangsphase. Beide Mannschaften legten einiges an Tempo vor, was unweigerlich zu Ballverlusten führte. Zimperlich wurde auch nicht gerade zu Werke gegangen. Nachdem Florian Billek Strafwurf und Nachwurf beim Stand von 5:3 (13.) verworfen hatte, kam die Auszeit von der Balinger Bank für alle etwas überraschend – im Anschluss daran übertrafen sich beide Teams gegenseitig im Auslassen von Einwurfmöglichkeiten bis Billek per Strafwurf mit etwas Glück auf 6:3 erhöhte. Der HSC hatte in Kulhanek einen sicheren Rückhalt. Nach 20 Minuten war es dann soweit, HSC-Neuzugang Marko Neloski betrat erstmals das Spielfeld für den HSC 2000 und war Ausgangspunkt der Aktion, die zum nächsten Strafwurf führte. Zur gleichen Zeit wurde der bis dahin sichere Felix Sproß, nachdem er bei einer Abwehraktion umgeknickt war, in die Kabine geführt. Till Riehn übernahm seinen Part auf der linken Außenbahn.Den ersten Fehlpass von Neloski bekam Sproß nicht mehr mit. Auch nicht den zweiten „Steal“ von Florian Billek in kurzer Folge der zum 10:5 führte. Nur fünf Gegentreffer nach 24 Minuten auf Coburger Seite zeugen von der guten Abwehrarbeit mit TW Kulhanek dahinter. Auch im Angriff zeigte der HSC eine ungeheure Bissigkeit und stellte die Balinger Abwehr so immer wieder vor Probleme. Auch von einer offensiven 5:1-Deckung ließ sich Coburg nicht beirren und löste dies mit guten Spielideen. Die letzte der ersten Halbzeit führte eine Sekunde vor dem Pausenpfiff zum 13:7 durch Sebastian Weber, während sich die Balinger weiter die Zähne an der Abwehr der Vestestädter ausgebissen hatten. Und dahinter einem Jan Kulhanek mit einer Fangquote von 63 Prozent zur Pause.

Nach der Pause machte der HSC dort weiter, wo sie aufgehört hatten, obwohl die Balinger mit einer noch offensiveren Abwehrvariante versuchten den Angriffsdruck der Coburger zu stoppen. Mal 5:1, dann wieder 4:2, doch auf alles hatte die Mannschaft von Jan Gorr Antworten parat. Mit einem sicheren Ballführer Varvne und so gut wie keinen leichtfertigen Ballverlusten bis zur 40. Minute wurde der Gegner klar auf Distanz gehalten. Doch dann kam ein klitzekleines Tief mit zwei schnellen Kontern Balingens, das der HSC aber sofort mit drei Toren in Folge konterte. Nahezu alles funktionierte und nach 45 Minuten war der Abstand zweistellig angewachsen. Zu diesem Zeitpunkt packte HBW-Trainer Sigtrygsson noch einmal die Taktiktafel aus. Doch egal was sich Balingen einfallen ließ – den Coburgern war nicht beizukommen. Zwar ging die Konzentration in den letzten zehn Minuten nach unten, aber die Dominanz war an diesem Abend zu groß für das eigentlich erwartete spannende Spiel. Den glänzenden Schlusspunkt setzte aus Coburger Sicht Varvne mit einem Rückhandtreffer.

Stimmen

HSC-Trainer Jan Gorr: „Das waren bedeutende 60 Minuten. Das war Aggressivität, Leidenschaft, Zusammenhalt und Qualität von meinem Team. Wir haben vieles spielerisch gelöst. Besonders vor der Pause waren wir auf einem hohen Niveau. Mit einem Erfolg“
HBW-Trainer Runar Sigtrygsson: „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren, der Rückraum war ohne Durchschlagskraft. Wir haben die Coburger Abwehr keine Lösungen gefunden. Am Sonntag können wir das schnell wieder gut machen.“

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (32 Gegentore, 18 Paraden), Oliver Krechel (0 Gegentore, 0 Paraden); Philipp Barsties, Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig (1), Felix Sproß (3), Dominic Kelm (2), Petr Linhart (2), Sebastian Weber (2), Stefan Lex (2), Florian Billek (9/5), Till Riehn (3), Marko Neloski, Tobias Varvne (5), Romas Kirveliavicius (3). Trainer: Jan Gorr.

HBW Balingen-Weilstetten: Marouen Maggaiz (11 Gegentore, 6 Paraden), Tomas Mrkva (21 Gegentore, 8 Paraden); Simen Schonningsen, Christoph Foth, Tobias Wagner (3), Matthias Flohr, Jannik Hausmann, Gregor Thomann (9/2), Lars Friedrich (1), Tim Nothdurft (3), Sigtryggur Dadi Runarsson, Oddur Gretarsson (2/1), Martin Strobel (4), Markus Stegefelt, Jona Schoch (1), Valentin Spohn (2). Trainer: Runar Sigtrygsson.

SR: Philipp Dinges / Daniel Kirsch

Spielfilm: 1:2 (3.), 2:2 (6.), 3:2 (7.), 5:3 (11.), 7:3 (17.), 8:4 (19.), 10:5 (23.), 11:6 (25.), 12:7 (29.), 13:7 – 15:7 (34.), 16:8 (35.), 18:12 (40.), 21:12 (43.), 23:13 (45.), 26:15 (48.), 26:17 (51.), 27:18 (54.), 30:20 (56.), 30:22 (58.), 32:25.

Zuschauer: 2.219 in der HUKCOBURG arena

Strafminuten: 4 (Barsties, Kirvelliavicius) – 10 (Flohr 4, Stegefelt, Friedrich, Hausmann)

Siebenmeter: 5/6 (Billek scheitert an Mrvka) – 3/4 (Gretarsson wirft übers Tor)

Beste Spieler: Kulhanek, Billek – Thomann, Strobel.

Bericht von Ralph Bilek

HSC Coburg vergoldet den Heimsieg

Ein 0:4-Rückstand lässt die Vestestädter kalt: Mit 27:13 siegte das Gorr-Team ganz souverän beim HC Rhein Vikings und stellt den Kontakt nach oben her.

Nach der Gala am Freitagabend folgte die Pflicht am Sonntag: Mit 27:13 (10:7) landeten die Zweitliga-Handballer ihren ersten Saisonsieg in der Fremde. Trotz einer schnellen 4:0-Führung war der gastgebende Aufsteiger HC Rhein Vikings gegen erneut bärenstark verteidigende Vestestädter chancenlos. Nach dem durchwachsenen Saisonstart hat das Team von Trainer Jan Gorr mit der optimalen Ausbeute von 4:0 Punkten am Doppelspieltag sein Konto nun auf 7:3 Zähler verbessert und damit den Kontakt zur Spitzengruppe hergestellt.

Das Tänzchen nach Spielschluss im Castello im Düsseldorfer Stadtteil Reisholz hatte sich die Delegation des HSC 2000 Coburg redlich verdient. Die Handballer hatten soeben in der 2. Handball-Bundesliga den HC Rhein Vikings in eigener Halle mit 27:13 Toren düpiert und damit nach dem Sieg über Balingen vom Freitag den “Doppelspieltag” vergoldet.

Zudem feierten die Männer von HSC-Coach Jan Gorr im Auswärtsspiel der Saison 2017/18 den ersten Auswärtssieg. “Gegen Balingen haben wir 60 Minuten lang gut gespielt, aber es hätte nichts gebracht, wenn wir es nicht geschafft hätten, auswärts den Bock umzustoßen”, erläutert Gorr. “In Düsseldorf haben wir zum zweiten Mal hintereinander unfassbar gut verteidigt.”

Aber erst nach Minute zehn der ersten Halbzeit. Bis dahin hatten die Gastgeber aus Düsseldorf das Spielgeschehen bestimmt. Coburg war sechs Minuten lang gar nicht auf dem Feld. Die Vikings schalteten nach Belieben, führten mit 4:0 Toren. Offensichtlich hatte der HSC nicht mit der aggressiven und hart zupackenden 6:0-Deckung der Düsseldorfer gerechnet und in der eigenen Abwehr fehlte die flüssige und lückenlose Übergabe der “Wikinger”.

“Anfangs hatten wir große Probleme in der Abwehr und haben auch vorne keine guten Lösungen gefunden. Aber wir sind nicht nervös geworden und haben unseren Rhythmus gefunden”, so Gorr.

Und dieser Rhythmus war eindeutig zu viel, zu schnell, zu dynamisch für den Aufsteiger aus dem Rheinland. Insgesamt 18 Minuten dauerte es, bis Coburg zum 6:6 ausgeglichen hatte. Spätestens ab da hatte der Erstliga-Absteiger alles im Griff. Vorne stemmte sich lediglich Vikings-Torhüter Vladimir Bozic gegen die drohend aufziehende Niederlage. Hinten ließ der starke Mittelblock mit Marko Neloski, Stefan Lex und Markus Hagelin keinen freien Vikings-Wurf zu.

Und gab es doch mal etwas für Goalkeeper Jan Kulhanek zu tun, war der 36-Jährige mit einer Seelenruhe zur Stelle. Ganze 16 Minuten in Halbzeit eins erzielte Düsseldorf keinen Treffer mehr. Erst als der Zeitnehmer bereits den Finger auf dem Knopf für die Halbzeitsirene hatte, gelang den einheimischen das Tor zum 7:10. An die guten 20 Minuten knüpfte der HSC in der zweiten Halbzeit nahtlos an. Die Abwehr erahnte viele Vikings-Spielzüge und spritzte dazwischen. So verhinderte man Gegentore und leitete eigene Treffer ein. Am Ende gab es einen Kantersieg und mit aktuell 7:3 Punkten Platz sieben in der Tabelle. “Wir sind mit 3:3 Punkten in die Saison gestartet, das hat nicht jedem in Coburg geschmeckt. Jetzt haben wir zwei bärenstarke Leistungen gezeigt”, meinte HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer. “Mich freut besonders, dass unser Neuzugang Marko Neloski direkt ins Spiel integriert wurde. Wir wollen uns jetzt oben in der Tabelle etablieren.”

HSC 2000 Coburg: Marko Neloski (6), Florian Billek (4), Tobias Varvne, Stefan Lex Lukas Wucherpfennig (je 3), Petr Linhart, Till Riehn (2), Markus Hagelin, Sebastian Weber, Benedikt Kellner, Romas Kirveliavicius (je 1).

Bericht aus dem Coburger Tageblatt vom 18.09.2017
Bilder von Henning Rosenbusch (www.henning-rosenbusch.de)

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